Albert Traeger

(1830 – 1912)

Politiker und Poet

Albert TraegerAlbert Traeger ist ein zu seiner Zeit bekannter Politiker, Parlamentarier von glänzender Beredsamkeit und talentierter Poet.

Am 12. Juni 1830 wird Traeger als Redakteurs-Sohn in Augsburg geboren. 1838 übersiedelt die Familie nach Naumburg, wo der Vater die Leitung des kaufmännischen Geschäftes übernimmt, doch schon 1844 stirbt. Die Mutter erzieht den lebhaften, lernbegierigen Jungen, der nach dem Gymnasium in Halle und Leipzig Rechts- und Staatswissenschaften studiert. Zunächst Gerichtsassessor in Naumburg, wird er 1862 Rechtsanwalt und Notar in Cölleda. 1875 geht er in gleicher Eigenschaft nach Nordhausen, 1891 nach Berlin. 1896 wird er zum Justizrat, 1906 zum Geheimen Justizrat ernannt.

Schon früh ist Traeger Mitglied der Fortschrittlichen Volkspartei. Hier kommt ihm seine volkstümliche Rednergabe zustatten. Auf seine politische Richtung übt der Demokrat Ernst Keil, der Begründer der „Gartenlaube“, bedeutenden Einfluss aus. Kritisch steht er der Reichseinigung von „oben“ gegenüber und sieht in der Reichsverfassung von 1849 das erstrebenswerte Vorbild für einen deutschen Nationalstaat. Eugen Richter ist sein Freund, Trager steht auch Benedikt Waldeck, Rudolf Virchow und Hermann Schulze-Delitzsch nahe. Seit 1874 gehört er dem Deutschen Reichstag an.

In Nordhausen begründete er den Liberalen Wahlverein und ist für 15 Jahre Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung. Unter Traegers Führung gewinnen die Nordhäuser Linksliberalen seit 1881 unangefochten jede Wahl. Trotz seiner Übersiedelung nach Berlin unterhielt er zu seinen Nordhäuser Parteifreunden engen Kontakt.

Der Politiker Traeger ist auch Lyriker: Seine Gedichte erleben bis 1911 18 Auflagen. Erwähnenswert ist sein volkstümliches, tief empfundenes Wanderlied „Wenn du noch eine Heimat hast“. In Nordhausen wird an seinem 80. Geburtstag 1910 die verlängerte Riemannstraße ihm zu Ehren Albert-Traeger-Straße getauft.

Als Senior der Fortschrittspartei und Alterspräsident des Deutschen Reichstages ist er am 26. März 1912 im 82. Lebensjahr in Berlin gestorben. Bei seinem letzten Besuch in Nordhausen im Herbst 1910 besichtigt er die nach ihm benannte Straße und trifft sich mit Nordhäuser Freunden. 1930 bringt der Magistrat am Haus Kranichstraße 10, seinem Nordhäuser Wohnhaus, eine Gedenktafel an.