Out of White/On the Beach - Fotografien von Tilmann Graner

Lyell Icefield, Kanada (Foto: Tilmann Graner)Das Kunsthaus Meyenburg zeigt vom 21. November bis 24. Januar 2016 die Fotografie-Ausstellung „Out of white/ On the beach“. Tilmann Graner wurde 1964 in Preetz/Schleswig-Holstein geboren. Seine Kindheit verbrachte er jedoch in Bayern, auf einen Bergbauernhof in knapp 1000m Höhe. Vermutlich entstand in dieser Zeit schon seine Liebe zur Natur und besonders zu den großen Bergen. Seit dem 10. Lebensjahr ist Tilmann Graner in den Bergen unterwegs, kletternd in Fels und Eis, häufig mit Skiern. Er unternimmt früh selbstständige Touren und viele Alleingänge. Tilmann Graner ist aber kein professioneller Bergsteiger, sondern er studierte Musik. Seit 1993 arbeitet er als Solo-Fagottist im Loh-Orchester Sondershausen/ Theater Nordhausen und wohnt in Sondershausen. Mit Fotografie beschäftigt sich Tilmann Graner seit knapp 20 Jahren, anfangs eher schwarz-weiß Fotografie. Seit 2001 ist er auch als professioneller Bühnenfotograf tätig, mit dem Schwergewicht auf Tanzproduktionen. Eine Ausstellung mit seinen Ballett-Fotografien haben wir hier im Kunsthaus 2014 im Kunsthaus-Keller gezeigt. Seine Reisen führten ihn z.B. nach Island, Nepal, Peru, Bolivien, die USA, Kanada, Indien, Kurdistan und Grönland. Auf diesen Fernreisen gilt sein Interesse hauptsächlich Land und Leuten, und um diese am Besten erleben zu können, ist er meistens zu Fuß in den entlegenen Gebieten der Welt unterwegs, begleitet von seiner Frau und seiner Kamera.
Das Projekt "Out of the White - On the Beach" hat Tilmann Graner über viele Jahre verfolgt.
Es zeigt faszinierende Landschaften, die häufig surreal erscheinen und eher an ein abstraktes Kunstwerk erinnern als an reale Motive. Landschaften, die den Betrachter in die Ferne ziehen, wobei diese Ferne eher in der Unendlichkeit zu suchen ist als an einem konkreten Ort.
Tilmann Graner hat den Blick für das Detail, für ungewöhnliche Strukturen und vor allem dafür, wie diese real existierenden Objekte in seinen Fotoarbeiten zu grafischen Kunstwerken werden.
Seine Schneelandschaften sind immer wieder neu und einzigartig. Einzigartig ist auch die Veränderung des jeweiligen Motivs durch das natürliche Licht oder die Belichtung des Fotografen. Manchmal erkennt man Felsen oder Steine aus der weißen Fläche heraus ragen, manchmal kann man aber auch nicht zwischen Eis und Wasser unterscheiden.
Erde und Himmel, Schnee und Wolken, Eis und Wasser verschmelzen in den Fotografien von Tilmann Graner zu einem Gesamtkunstwerk. Menschen findet man nur selten auf diesen Bildern, weil es natürlich sehr einsame und menschenleere Gegenden sind – wie im Himalaya oder in Grönland - in denen Tilmann Graner diese Motive findet. Aber gerade dadurch kann der Betrachter auch in diesen faszinierenden Landschaften allein unterwegs sein und sich selbst auf die Reise begeben.
Blauen Himmel und strahlende Sonne sucht man in der Ausstellung vergebens, der kitschige wolkenlose Postkartenhimmel ist für einen guten Fotografen eher langweilig. Dafür entdeckt man einzigartige Naturschauspiele, Himmel, deren Grautöne durch diffuses Licht so unglaublich expressiv belichtet werden, dass sie von Innen heraus zu glühen scheinen und die Welt in eine surreale Stimmung versetzen.
Unter dem Titel „On the beach“ zeigt Tilmann Graner Strände, die menschenleer und meist in ein diffuses Grau getaucht sind, das Meer erscheint nebulös oder auch ölig schwarz. Die Anwesenheit der Menschen entsteht durch ihre Hinterlassenschaften, sei es durch feste Architekturen – wie die Seebrücken an der Ostsee, die Buhnen, die ins Meer gebaut sind, oder verwaiste Rutschbahnen und Kinderspielzeuge. Ein Eisentor, das ins Nichts führt, ein rot-weißes Warnhütchen am Eismeer oder die Überreste von Holzhütten – alles Indizien dafür, dass es Menschen an diesen Orten gab oder gibt. Graner nutzt einzelne künstliche Farbpunkte – wie die roten Sonnenschirm, die grün-orangen Plastikstühle oder das rot-blaue Parkverbotsschild als Kontrapunkt zur grauen natürlichen Landschaft und erzielt damit ganz ungewöhnliche Reize.
Abgesehen von den besonderen Motiven hat auch hier der Fotograf den Blick für die richtige Perspektive, für ausgewogene und spannungsvolle Kompositionen, für geometrische Strukturen und interessante Flächen.
Diese Fotografien regen zum Nachdenken an. Sie ziehen den Betrachter, auf ganz eigene Weise in ihren Bann, da sie sowohl Geschichten erzählen, aber auch dazu anregen, eigene Geschichten zu den Bildern zu erfinden.
Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Januar 2016 zu sehen.
Öffnungszeiten: Di bis So 10 bis 17 Uhr
Zeitraum:
21.11.2015 - 24.01.2016
Ort:
Kunsthaus Meyenburg
Veranstalter:
03631-881091



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