Oberbürgermeister lud zum Bürgergespräch zur geplanten Biomethananlage nach Bielen ein

Montag, 08.Juli 2013, 13:17 Uhr
Nordhausen (psv) Alle 140 Stühle im Dorfgemeinschaftshaus Bielen waren am Freitagabend besetzt, als Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Energieversorgung Nordhausen (EVN), Rolf Göppel, die Informationsveranstaltung zur geplanten Biomethananlage im Nordhäuser Ortsteil eröffnete. Ihnen zur Seite standen Joachim Külbel als Projektverantwortlicher der EVN sowie die Mitglieder der Arbeitsgruppe Biomethan Steffen Meyer und Martin Juckeland aus der Stadtverwaltung.

Meyer, Juckeland, Zeh, Külbel und Göppel
Im Bild von links nach rechts: Steffen Meyer, Martin Juckeland, Dr. Klaus Zeh, Joachim Külbel und Rolf Göppel

Seit einem guten Jahr laufe der Beteiligungsprozess, „bei dem wir viele mit ins Boot geholt haben“, sagte Dr. Zeh.“Wir organisierten zum Beispiel eine Fahrt zu einer ähnlichen Biomethan-Anlage in Einbeck oder diskutierten mit Fachleuten bei einem Symposium in der Fachhochschule“, sagte er. Alles sei bis jetzt noch offen. Es sind noch nicht alle Genehmigungen bei den Behörden eingeholt beziehungsweise es werde noch geprüft. Erst im September oder Oktober sei mit der Genehmigung zu rechen, die dann schnellstens offengelegt werde, so dass jeder seine berechtigten Einwände vorbringen könne.

„Zurzeit liegen bereits Gutachten zur Geruchs- und Schallemission, zum Explosionsschutz und zur Einschätzung der Beeinträchtigung des Flora-Fauna Habitats vor. Alle vorgeschriebenen Werte für Gewerbe- und Mischgebiete sind danach unterschritten, sagte Martin Juckeland. „Und nur, wenn sich alle Parameter im gesetzlichen Rahmen halten, die für die Errichtung einer solchen Anlage vorgeschrieben sind, gibt es eine Genehmigung“, erklärt er. Weitere Gutachten zum Umgang mit möglichen Störfällen oder der Feuerwehrplan stehen noch aus.

Hauptthema an diesem Abend war die Standortfrage. Warum gerade in Bielen und nicht beispielsweise in Nentzelsrode? Begründet wurde der Standort mit der Notwendigkeit einer vorhandenen Mitteldruckgasleitung, um die drei Heizkraftwerke beliefern zu können. Die meisten Anwesenden wollten aber auch über eventuelle Risiken aufgeklärt werden. Hauptthemen waren die mögliche Explosionsgefahr, eventuelle Verschmutzung von Grundwasser oder der Bielener Kiesteiche, die Lärm- und Geruchsbelästigung oder der zu erwartende Anlieferverkehr in der Erntezeit.

Die Anlage sei so in das Gelände integriert, dass man die Silokammern nur in einer Höhe von 1,5 Metern sehe könnte, erklärt Joachim Külbel. Ein Schutzwall mit einer Wanne könne beim Platzen des größten Behälters von 4.300 Kubikmetern den Inhalt aufnehmen. Alles sei rein pflanzlich ohne Chemikalien, so dass auch für das Grundwasser keine Gefahr bestehe.

„Die Anlieferung und der Rücktransport erfolgt oberhalb des BIC. Die Alte Leipziger Straße bleibt definitiv unberührt“, sagt Joachim Külbel. In den drei Wochen der Maisernte werden 71 Fahrzeuge werktags von 7 bis 21 Uhr und samstags von 8 bis 20 Uhr anliefern. Für Zuckerrüben sind im November und Dezember 5 Fahrzeuge und für die Schlempe, die nur an den Werktagen transportiert wird, sind maximal zwei Fahrzeuge im Einsatz.

Rolf Göppel versichert ebenfalls keine Gefahr für Leib und Leben bei Störfällen. Eine Notfackel werde eventuell austretendes Gas verbrennen, auch sei ein Notstromaggregat vorhanden.

Eine Bürgerin hatte große Bedenken Nahrungsmittel zur Gasherstellung zu verwenden.
„Laut einer Empfehlung der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft sind zirka 20-25 Prozent der Ackerfläche in Thüringen für Energiepflanzen unbedenklich“, erklärt Steffen Meyer. „Im Landkreis Nordhausen bauen wir weniger als 8 Prozent Energiepflanzen an.“ Das sei extrem wenig und liege deutlich unter der Empfehlung. Damit sei die Gefahr der Monokultur mit Überdüngung, wie ebenfalls oft vermutet, in unserer Region kein Problem. Im Gegenteil. Die wechselnde Fruchtfolge beim Maisanbau sei ein Vorteil.