90. Geburtstag Albert van Hoey: „Allein die Sicht der Opfer darf ethische Richtschnur für das Gedenken sein“

Montag, 27.Januar 2014, 14:03 Uhr
Gratulation OB Klaus Zeh und Cornelia Klose
Nordhausen (psv) Anlässlich des 90. Geburtstags von Albert van Hoey, dem Vorsitzenden des Häftlingsbeirats der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, sind Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh und Dr. Cornelia Klose, die frühere Leiterin der Gedenkstätte „Mittelbau Dora“ (im Bild) , am Sonntag gemeinsam nach Belgien gereist. Sie folgen damit einer Einladung des ehemaligen „Dora“-Häftlings.

„Im Namen der Stadt Nordhausen gratuliere ich Ihnen aus ganzem Herzen zu Ihrem stolzen Geburtstag. Wir empfinden es als besondere Ehre, dass Sie uns zu Ihrem wichtigen Jubiläum eingeladen haben. Ihr Elan und Ihre moralische Größe sind zugleich beispielgebend, Bestätigung, Ermutigung und Ansporn. Wir wünschen uns, dass Sie unsere Stadt auch in den kommenden Jahren als aufrechter und kritischer Weggefährte begleiten werden“, sagte der Oberbürgermeister bei der Gratulation für den Jubilar im Gemeinschaftshaus der Stadt Stekene.

„Diese weitere – und sehr persönliche Begegnung mit Albert van Hoey, mit seiner Familie, seinen Kindern, Enkeln und Urenkeln - hat mich bestärkt: Beim Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, bei der Bewertung dessen, was Menschen damals angetan wurde, kann und muss das Einfühlungsvermögen für die Opfer die entscheidende ethische Richtschnur sein. Wie auch das Bewusstsein dafür, was zu dem Fall in die Barbarei geführt hat. Deshalb möchte ich den Diskurs über eine Gedenkkultur für unsere Stadt – die mit einem Konzentrationslager gelebt hat – unbedingt intensivieren. Ich habe dazu am Freitag ein erstes Telefongespräch mit Professor Dr. Volkhard Knigge geführt, dem Leiter der Stiftung `Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.´ Mit ihm und mit Dr. Jens-Christian Wagner, dem Leiter der Gedenkstätte `Mittelbau Dora´ möchte ich ein Treffen in den kommenden Tagen vereinbaren und freue mich auf die Begegnung.

Er halte es nach wie vor für wichtig, dem Gespräch mit Jugendlichen nicht auszuweichen, sondern im Gegenteil den Diskurs zu führen, sagte Dr. Zeh. „Auch mit Blick darauf, wo unsere Verantwortung als Demokraten liegt für die nachwachsenden Generationen. Ich will Menschen- vor allem junge bis zu einem gewissen Alter – nicht zu schnell den Verführern verloren geben.“

Dr Zeh sagte weiter: „Die Gesprächsbereitschaft hat allerdings für mich klare Grenzen: Dort, wo Opfer verhöhnt oder missbraucht werden, wie dies immer wieder durch die NPD bei den Veranstaltungen zur Erinnerung an die Opfer der Bombardierung der Stadt Nordhausen geschehen ist. Sie hat dort Grenzen, wo das Gedenken verunglimpft wird, wo Menschenrechte auch nur ansatzweise in Frage gestellt werden. Sie hat dort Grenzen, wo nur ansatzweise Äußerungen fallen, die dem Grundgesetz widersprechen, die extremistisch sind, ausländerfeindlich, antisemtisch oder in irgendeiner Art und Weise die Opfer des Nationalsozialismus oder deren Andenken verunglimpfen. Und natürlich dort, wo die Grenze zur Straftat gegeben ist. Ich betone noch einmal: Bekennende und offen erkennbare Rechtsextreme sind dabei keine Gesprächspartner. Das ist und bleibt der Konsens“

„Wir müssen die Fragen der Jugendlichen beantworten. Wie diese Gespräche mit Blick auf das Schicksal der Opfer und ihrer Familien konkret aussehen und gelingen, darüber müssen wir Demokraten einen Konsens finden. Deshalb rufe ich parteiübergreifend dazu auf, die jetzt begonnenen Gespräche über eine Gedenkkultur für unsere Stadt nicht nur fort zu setzen sondern zu intensivieren. Dies sind wir den Opfern, uns selbst, unserer Stadt und der Zukunft unserer Demokratie schuldig.“