Mit Kunstaktion: Abschied vom Drei-Streif-Gebäude: „Wir stehen hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge“

Montag, 22.Februar 2016, 16:37 Uhr
Künstlerin mit Installation
Zu den Bildern:

Die Künstlerin Olena Schirmmeister von der Jugendkunstschule Nordhausen vor ihrer Installation.

Norbert Jande (links mit Helm) und Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh (rechts mit Helm) während des offiziellen Abschiedsakts.

Blick auf das Abrissgebäude.

Fotos: Patrick Grabe, Pressestelle Stadt Nordhausen.


Nordhausen (psv) Mit einer Kunstaktion hat sich heute Nordhausen vom Gebäude der ehemaligen Kaffeerösterei „Drei Streif“ in der Straße An der Salza verabschiedet.

Zu DDR-Zeiten wurden hier die Kaffee-Sorten Mona, Mokka-Fix, Rondo und Costa produziert. Die Rösterei stellte den Betrieb im Jahr 1999 ein. Seitdem verfiel das Gebäude. Jetzt haben die Abrissarbeiten begonnen. Das Areal soll nach der Beräumung Platz für neue Gewerbeansiedlungen bieten. Zur Verabschiedung waren heute viele Nordhäuserinnen und Nordhäuser gekommen. Darunter auch ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens wie Norbert Jande, der technische Leiter des ehemaligen „Drei-Streife“-Unternehmens.

Aus den Fenstern der Ruine hängen seit heute Reste der Kaffee-Verpackungsmaterialien, die Olena Schirrmeister –Mitarbeiterin der Jugendkunstschule Nordhausen – rollenweise in der Ruine gefunden hatte.

Nordhausens Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh sagte, „wir nehmen heute Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mit einem weinenden, weil der Abriss des Gebäudes nun auch nach außen sichtbar endgültig das Ende von einer weiteren Branche der Jahrzehnte langen Genussmittelproduktion in Nordhausen bedeutet. Nach dem Aus für `Nortak´ und `Nordeis´ endete auch die Kaffeeproduktion und damit eine Stück Nordhäuser Industriegeschichte. Mit einem lachenden Auge nehmen wir Abschied, weil nun eines der großen baulichen Schandflecke unserer Stadt verschwindet und Platz geschaffen wird für neue Unternehmen.“

Jürgen Kucher, ehemaliger Produktionsleiter von Drei Streif, erinnerte sich: „Über 50 Mitarbeiter arbeiteten in diesem Betrieb und fühlten sich hier wohl. Es wurde kostendeckend gearbeitet. Dann kam die Wende. Bei DreiStreif wurde weiter produziert. Bald übernahm die Firma Tchibo das Unternehmen an der Salza. Jetzt wurde nichts mehr für den Erhalt des Unternehmens getan, erinnerte sich Kucher. 1999 ging für Drei Streif endgültig das Licht aus.

Früher hatte Nordhausen etliche Kaffeehersteller: die Müller Vieth Kaffee-Großrösterei, Kaffeerösterei Roland, Krause Co. (Echter Dr.Lutzescher Gesundheitskaffee), Lehmann jr. Kaffeegroßrösterei, DreiStreif Kaffeerösterei, Peter Opitz Co. Kaffeegroßrösterei, Nordhäuser Gesundheitskaffee-Fabrik Arthur Sommer & Co. AG und Hermann Brunner Kaffeegroßrösterei.

Zu DDR Zeiten gab es sieben große Kaffeehersteller, einer davon in Nordhausen. Ehemals Firma Krause hieß sie nach der Verstaatlichung VEB DreiStreif Nordhausen. Der Kaufmann Johann Heinrich Christian Krause hatte 1835 in Nordhausen eine Zichorienfabrik gegründet und war mit dieser Mitte des 19. Jahrhunderts in eine ehemalige Mühle an der Salza umgezogen.

Das Ende der DDR überstanden nur zwei Unternehmen: Röstfein und DreiStreif. Die Drei-Streif-Kaffeerösterei GmbH stellte ihren Betrieb im Jahr 2000 ein, womit die Geschichte der Kaffeeproduktion in Nordhausen vorerst beendet war.

Vorangegangen war ein Rechtsstreit mit Kaffeehersteller Röstfein in Magdeburg. Anfang 1999 hatten die Magdeburger gegen den Gebrauch des alten DDR-Kaffeemarkennamens „Mona“ geklagt. Mona war der teuerste Kaffee in der DDR, aber auch von bester Qualität. Produziert wurde er damals in Magdeburg, Nordhausen und Radebeul. Röstfein hatte den Namen bei der Venag in Halle gekauft, DreiStreif bei einem Geschäftsmann aus NRW.
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