Zum Bericht „Nur verwaltet“, „Nordhäuser Allgemeine“ vom 6. August 2004

Montag, 09.August 2004, 08:59 Uhr
Sehr geehrter Herr Müller,

wir hätten uns gefreut, wenn Sie im Zuge Ihrer Recherchen zur Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen hätten, um deren Sichtweise zumindest zur Kenntnis zu nehmen ? und im Rahmen einer umfassenden Berichterstattung vielleicht auch zu verwenden. Dass Sie von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch gemacht haben, bedauern wir. Ändern können wir es freilich nicht.

Wir möchten Sie dennoch auf den Pressekodex des Deutschen Presserates aufmerksam machen. Dort heißt es unter anderem: „Zur Veröffentlichung bestimmte Nachrichten und Informationen in Wort und Bild sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.“

Zu den Fakten: Im Kulturamt gibt es keine Beamten, Kritiker wurden nie vertrieben. Die städtische Kultur wird auch nicht nur „verwaltet“, sondern aktiv gestaltet. Ein fundiertes Handlungskonzept dafür ist in erster Linie die Kulturkonzeption. Diese wurde von ausgewiesenen Fachleuten erstellt und nach umfangreicher Diskussion in Workshops mit heimischen Vereinen, Verbänden, Künstlern und in den unterschiedlichen Ausschüssen im letzten Schritt vom Nordhäuser Stadtrat mit großer Mehrheit verabschiedet. Dort finden sich alle Fakten auch zum geplanten stadtgeschichtlichen Museum. Zu diesem Thema beachten Sie bitte auch die Mitteilungen der Stadt vom 12. Dezember 2003, in der das geplante Konzept der „Flohburg“ ebenfalls ausführlich dargestellt ist. Änderungen im Detail sind natürlich ? wie bei jedem Projekt dieser Größe ? nicht ausgeschlossen.

Ehemalige Ausstellungsstücke des früheren Meyenburg-Museums werden weder „umgeschubst“ noch gibt es im Depot „zu viel Sonne“. Die Exponate ? darunter historisch wertvolle Fahnen, die vom Dachboden des früheren Meyenburg-Museums geborgen werden mussten ? werden vielmehr ordnungsgemäß und fachmännisch gelagert und derzeit katalogisiert. Die Depot-Räume werden ständig u.a. hinsichtlich Temperatur und Luftfeuchtigkeit kontrolliert. Davon kann sich jeder ? zum Beispiel an diesem Sonntag ab 15 Uhr - bei den Führungen durch das Museums-Depot im Walkenrieder Hof selbst überzeugen.

Dass zwischen „Auf- und Zuschließen“ der Nordhäuser Museen bzw. des Kunsthauses Meyenburg doch einiges mehr passiert, dokumentieren die zahlreichen Veranstaltungen bzw. Ausstellungen, die in allen Häusern stattfinden ? aktuell verwiesen sei unter anderem auf den Erfolg der „Stadtwandel“ Fotoausstellung in der „Flohburg“ oder die Ausstellung „Rheinische Künstler“ im Kunsthaus, die ? das zeigt der Blick in das Besucherbuch ? auch über Nordhausen hinaus auf positives Echo stößt. Hinzu kommen noch die zahlreichen Museumspädagogischen Angebote im Kunsthaus ? nicht zuletzt auch von der Jugendkunstschule, die dort eine gute Heimstatt gefunden hat. Die wissenschaftlich- fachliche Begleitung ist über die Bindung von Experten natürlich gegeben.

Den Einsatz von ehrenamtlichen Kräften, die ihre Arbeit mit viel Begeisterung, Herzblut und Sachverstand angehen, hält die Stadt für selbstverständlich und wertvoll. Dass deren Engagement als „Minimalprogramm“ herabgewürdigt wird, bedauert die Stadt außerordentlich.

Dass ein Stadtarchiv in die Betreuung eines stadthistorischen Museums einbezogen wird, ist selbstverständlich ? und hinsichtlich der gebotenen Publizität wichtiger und aktueller stadtgeschichtlicher Erkenntnis faktisch zwingend und dringend geboten. Wie fruchtbar diese Verbindung ist, hat das Stadtarchiv anlässlich des 1075-jährigen Stadtjubiläums im Jahr 2002 selbst vorgeführt: Die Ausstellung „Schätze des Stadtarchivs“ war damals ein Publikumsrenner ? die Erkenntnisse des Archivs sind es also Wert, „gehoben“ zu werden.