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Rund 100 Gäste beim Neujahrsempfang der Stadt

Freitag, 17.Januar 2003, 11:56 Uhr
Rund 100 Gäste beim Neujahrsempfang der StadtNORDHAUSEN (psv) Rund 100 Gäste sind am Donnertag auf Einladung von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke zum Neujahrsempfang der Stadt Nordhausen in den Bürgersaal des „Neuen Rathaus“ gekommen.

Vertreter der Wirtschaft, der lokalen Verbände und Vereine, der Rektor und Professoren der Fachhochschule, die Intendantin des Theaters, der Leiter der Nordhäuser Polizeidirektion, Vertreter der Kirchen, Mitglieder des Landtages verschiedener Vereine und Verbände waren gekommen. Gäste waren ebenfalls Landrat Joachim Claus, der Sondershäuser Bürgermeister Joachim Kreyer und der Landrat des Kyffhäuserkreises, Peter Hengstermann.

Die Musik am Abend des Empfang kam von der aus Nordhausen stammenden Sängerin Silke Gonska, die von Frieder Bergner begleitet wurde. Auftakt des Aktes war die folgenden Ansprache der Oberbürgermeisterin:

„Seien Sie herzlich willkommen meine Herren und Damen,
Ich freue mich, wie jedes Jahr, dass Sie so zahlreich meiner Einladung gefolgt sind und möchte Ihnen allen für das bereits begonnene Jahr viel Erfolg, Gesundheit und persönliches Glück wünschen. Mein besonderer Gruß gilt Herrn Landrat Hengstermann als Präsidenten der Regionalen Planungsgemeinschaft Nordthüringen, Herrn Landrat Claus, den Abgeordneten des Thüringer Landtages sowie den Mitgliedern des Stadtrates.

Gonska und Bergner


Zu Beginn des neuen Jahres grüße ich Sie mit einer Passage eines Vortrages des berühmten Philosophen Karl Jaspers. Sie stammt aus dem Nachkriegsjahr 1951, einer weitaus schwierigeren Zeit als der heutigen. Er forderte zum Schluss seines Vortrages über Freiheit und Autorität seine Zuhörer auf: „Statt sich den Stimmungen von verzweifeltem Pessimismus und gewaltsamen Optimismus zu überlassen, gilt es in der Ungewissheit unserer Welt nicht nur die ungeheure Gefahr, sondern auch die Chance zu sehen. Die größte und eigentliche Chance aber liegt in der Verantwortung des Menschen, jedes einzelnen. Es liegt an ihm selbst, was aus ihm wird.“

Und in der Tat: Je stärker sich Traditionen verflüchtigen, je mehr - die gesellschaftlichen Vorgaben für das persönliche Verhalten und im politischen Diskurs an Bedeutung verlieren, je verfügbarer die physische Welt durch technische Eingriffe wird, um so mehr kommt es auf unsere eigene Verantwortung an.

Es wurde uns im vergangenem Jahr auf furchtbare Weise vor Augen geführt, dass in den Fragen des menschlichen Zusammenlebens von der Erziehung bis zur Bewältigung der gesellschaftlichen und technischen Zukunftsrisiken nichts von allein geht und nichts sich selbst überlassen werden darf, sondern gestaltet und verantwortet werden muss. Die Opfer von Erfurt verpflichten uns dazu. Der erst 31 Jahre junge in Nordhausen geborene Offizier, der kurz vor Weihnachten beim Dienst in Afghanistan sein Leben lassen musste, verpflichtet uns dazu, dass die Einsicht, Kriege können nur das allerletzte Mittel der Politik sein, nicht leichtfertig für Ölinteressen geopfert werden darf. Es muss weiter um den Frieden gerungen werden. Natürlich zwingt uns auch die letzte Meldung über das geglückte Klonen zweiter Babys dazu, die Politik zu bestärken, Grenzen zu setzten. Je freier der Mensch ist, um so mehr Verantwortung wächst ihm zu.

Betrachten wir unsere Gesellschaft, so ist der Befund wider-sprüchlich. Einerseits sind da die gewählten politischen Verantwortungsträger, andererseits findet Bürgereinmischung statt und wird gefördert. Aber es geht dabei keinesfalls nur um Gemeinwohlorientierung, sondern immer öfter um gruppen-egoistischen und besitzindividualistischen Lobbyismus, was am Beispiel um die Auseinandersetzung zum Industriegebiet „Goldene Aue“ eindrücklich beobachtet werden kann. Dem gegenüber stehen unzählige Menschen, die in der Nachbar-schaftshilfe, in Vereinen und Verbänden Verantwortung übernehmen.

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Nicht nur die große Flut des letzten Jahres stellte dies eindrücklich unter Beweis, sondern erst letztlich der Einsatz vieler Freiwilliger beim Hochwasser direkt vor unserer Tür, z. B. in Sundhausen und Donndorf.

Ihnen allen gilt heute mein persönlicher Dank und meine Anerkennung.

Besonders freut mich dabei, dass es viele junge Menschen waren, die wie selbstverständlich zugepackt haben und Hilfe leisteten.

Aber auch das Engagement in sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Netzwerken und nicht zuletzt in Gemeinderäten und im Stadtrat ist Teil dieser neuen Verantwortungsgemeinschaft, die wir dringend brauchen. Dazu passen auch die Ergebnisse der jüngsten Allensbacher Langzeitumfrage, wonach 87 % der Bevölkerung im Falle persönlicher Not auf Hilfe durch die Familien und 72 % auf die von Freunden baut. Trotz dieser positiven Befunde dürfen wir nicht einem mechanistischem Weltverständnis erliegen. Menschliches Verhalten regelt sich nicht von selbst, sofern nur die richtigen Mechanismen freigesetzt werden. Der Mensch wird nicht allein durch Nutzen und Vorteilskalküle gesteuert. D. h. auch der scheinbar allmächtige und von vielen gepriesene Markt kann hier nichts regeln. Das wäre eine fundamentale Verkennung der menschlichen Freiheit.

Sie alle haben Verantwortung übernommen an den verschiedensten Stellen, zumeist in leitender Funktion in der Wirtschaft, in Verwaltungen und Institutionen, in der Kirche, Vereinen und Verbänden. Gemeinsam haben wir im Jahre 2002 viel geschafft. Für die Stadt kann ich eine positive Bilanz ziehen.

„Nordhausen kriegt `ne Schönheitskur“ titelte jüngst eine große Thüringer Tageszeitung. Diese Kur - gemeint waren die Erneuerungs-Arbeiten in unserer Innenstadt - war und ist nicht schmerzfrei: Dröhnen und Hämmern, aufgerissene Straße und Wege und Brücken, praktisch jede Woche eine neue Baustelle, die umfahren werden wollte, all das zerrte 2002 an den Nerven der Nordhäuser. Es wurde zu einer langen Geduldsprobe, besonders für Anlieger und Gewerbetreibende in unserer Stadtmitte. An dieser Stelle ein großes „Dankeschön“ vor allem den Bewohnern und Geschäftsleuten rund um die Baustellen in der Innenstadt!

Entspannung ist in Sicht: Die ersten Baustellen gingen und gehen zu Ende. Mehr als tausend Blumen, Büsche und Bäume sind bereits gepflanzt.

Nicht nur, dass die ersten Projekte bereits fertiggestellt sind - jeder Bagger der sich dreht, jeder Stein, der bewegt wird, ist Zeugnis, dass Nordhausen nicht vom Stillstand, sondern von Bewegung, Veränderung, Erneuerung, ja von einem gewissen Aufbruch geprägt ist. Hinter jeder Baustelle, ob nun hier vor der Tür auf dem Rathausplatz oder in der Altstadt, in der Uferstraße oder an der Zeppelin-Brücke, in der Rothenburg-Straße oder am IFA-Industriepark, in der Promenade oder auf dem Petersberg steht eine große Investition. Mehr als 90 Prozent aller Bau-Aufträge haben Firmen aus unserer Region abgedeckt. Dabei haben wir ein Auftragsvolumen von über 15 Mio. ? realisiert. Dabei ist klar, von den Aufträgen der Stadt Nordhausen und ihrer Gesellschaften allein können die Firmen nicht leben. Aber wir tun das, was überall von Kammern und Verbänden gefordert wird. Wir verhalten uns azyklisch. Das heißt, in Zeiten schwacher Konjunktur werden öffentliche Aufträge forciert.

Stadterneuerung ist aber nur auf den ersten Blick die Baustelle, die neue Straße, der neue Platz. Das Leitbild, unter dem sie in Nordhausen steht, „Die neue Mitte“, weist den Weg: Nordhausen soll ein attraktives Umfeld für die Menschen werden, die in dieser Stadt leben und von denen die Stadt lebt. Das gilt insbesondere auch mit Blick auf unsere Kinder und Enkel. Gerade deshalb ist uns Tag für Tag im laufenden Prozess eine Verantwortung auferlegt. Es galt und gilt bei aller Veränderung, die in Nordhausen derzeit vor sich geht, die Balance zu halten zwischen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Anforderungen. Es gilt zugleich, dabei die lange Historie unserer Stadt ? 2002 haben wir unter anderem mit einem eindrucksvollen Festumzug den 1075. Geburtstag gefeiert ? den gebotenen Raum zu geben. Ein Beispiel dafür wird der neue Rathausbrunnen sein, der die Figur des Aar, ein wichtiges Symbol der Stadtgeschichte, nicht nur räumlich in den Mittelpunkt in Nordhausen stellen wird. Er symbolisiert die Verbindung von altem und neuem, von Altstadt und Neustadt, von vergangenem und zukünftigem.

Als Investition in die Zukunft unserer Stadt betrachte ich auch das Ringen um die finanzielle Sicherheit und damit um die Zukunft unseres Theaters. Neue Straßen und Plätze - eine äußerlich schönen Stadt ? ist nur die eine Seite der Medaille. Lebensqualität, Charme und Charakter einer Stadt macht auf der anderen Seite aber auch ein reiches, ansprechendes kulturelles Leben aus. Die Stadt lebt nur mit und von guten Freizeit-, Bildungs-, und Erholungsangeboten. Die Unterzeichnung des Finanzierungsvertrages für unser Theater mit dem Land Thüringen war der Auftakt für eine Neuprofilierung der Bühne in jeder Hinsicht. Hier liegt einer der Schwerpunkte unserer Arbeit für das Jahr 2003/04.

Die neue Mitte bezieht sich aber nicht nur auf unsere Innenstadt, sondern sie soll zugleich den Anspruch Nordhausens als Zentrum der Region untermauern.
Im Herbst dieses Jahres soll der Landesentwicklungsplan 2003 von der Landesregierung beschlossen werden. Er wird die Planungsziele des Landes für die nächsten Jahre festschreiben. Wir müssen alles tun, um den gemeinsamen Willen unserer Stadt, aber auch der Region zur Beibehaltung oberzentraler Funktionen darzustellen. Hier ist vor allen Dingen Kooperation gefragt. Wir müssen nach Strukturen des gemeinsamen Vorteils suchen. Zwischen Nordhauen und Sondershausen laufen bereits entsprechende Gespräche. Aber dazu bedarf es auch Ihrer Unterstützung aus der Wirtschaft.

Meine sehr geehrten Herren und Damen,
den Impuls, den wir mit der Stadterneuerung ausgelöst haben, werden wir fortführen in 2003 mit Investitionen von ca. 21 Mio ?. Die wichtigsten Projekte sind:

Einkaufszentrum Pferdemarkt,
Sanierung Wohnblöcke Rautenstraße/Kornmarkt,
Tiefgarage Sparkasse,
Fassaden Theater
Fortsetzung der Rekonstruktion der Nordhäuser Schulen.

Nach 2004, dem Jahr der Landesgartenschau, legen wir nicht die Hände in den Schoß! Schon jetzt mit dem verabschiedeten Doppelhaushalt für die kommenden Jahre haben wir die Richtung gewiesen. Die halbe Million Euro extra, die wir für die Kultur im Landesgartenschau-Jahr vorsehen, steht nur als ein Bespiel. Mit guten Veranstaltungsangeboten wollen wir Nordhausen als eine wichtige Adresse in Sachen Kultur in der Harzregion und in Thüringen bekannter machen.

Einen ersten Schritt haben wir mit der konzeptionellen Neuausrichtung des „Meyenburg-Museums“ zu einem Kunsthaus bereits getan. Das wird fortgesetzt mit der Neuprofilierung der „Flohburg“ zu einer stadthistorischen Sammlung mitten in unserer Altstadt.

Eng mit der kulturellen Entwicklung der Stadt hängt auch eine gewisse touristische „Politur“ Nordhausens zusammen. Auch hier haben wir investiert, ich verweise auf die Sicherung des Kalkberges in der „Rüdigsdorfer Schweiz“ vor dem Gipsabbau. Mit der Gipskarstlandschaft in Nachbarschaft unserer Stadt haben wir eine europaweit landschaftliche Einmaligkeit, die wir als besonders Angebot für unsere Gäste herausstellen werden. Nicht nur dieses touristische Angebot wird sich in unserer neuen Stadtinformation finden, die wir am 2. Mai dieses Jahres im Rathaus eröffnen werden.

Doch das allein wird nicht reichen, ist nur Ergänzung. Nordhausen war immer eine Industriestadt und muss dies auch bleiben. Dazu gehört selbstverständlich das geplante Industriegebiet „Goldene Aue“, denn die Autobahnabfahrt Nordhausen soll nicht in einem gemütlichen Pensionärsstädtchen enden. Mit der Neuansiedlung von Industrie wollen wir Verantwortung übernehmen, damit auch für die junge Generation Arbeit und Leben in unserer Region gesichert werden kann. Wir müssen unsere Trümpfe ausspielen:

Die Lagegunst Nordhausens mitten in einem künftig größeren Europa direkt an der A 38 als einer Verbindungsachse zwischen West- und Osteuropa, eine moderne, expandierende Hochschule mit erheblichen Forschungs- und Bildungspotentialen sowie einem entstehenden Kompetenzzentrum,Aufbau eines Unternehmensnetzwerkes zur Nutzung von Synergien zur Förderung von Unternehmenskooperationen und zielgerichtetem Technologietransfer,
und natürlich die Menschen in dieser Region, die durch Fort- und Weiterbildung sich den neuen Herausforderungen stellen wollen.

Ich möchte keinen Zweifel daran lassen, dass wir diesen Standort entwickeln werden. Positive Signale von der Landesregierung für dieses Industriegebiet-Standort Nordhausen haben uns bereits erreicht. Mit der LEG haben wir einen starken Partner an unserer Seite.

In diesem Zusammenhang appelliere ich an die Menschen, die sich gegen das Industriegebiet, damit gegen größere Investitionen und letztlich gegen Arbeitsplätze aussprechen. Ich bitte Sie im Namen der Menschen, die vergeblich nach Arbeit suchen, um Kompromissbereitschaft, um den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus, um Mäßigung in der Sprache. Persönliche Angriffe und Diffamierungen schaden einer fachlich fundierten und damit sachlichen Auseinandersetzung. Um es noch einmal klar zu sagen: Nordhausen entwickelt dieses Industriegebiet und wir werden im Sommer 2003 Baurecht erreicht haben, all das nach rechtsstaatlichen Verfahren. Ganz besonders mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung werden auch die Ansiedlungen im zukünftigen Industriegebiet von Bedeutung sein. Zwar sind 2002 erfreulicherweise mehr Menschen nach Nordhausen gezogen als im Vorjahr und auch die Geburtenzahl ist gestiegen, allerdings ist im zurückliegenden Jahr die Bevölkerungszahl insgesamt zurückgegangen. Noch immer liegt die Sterberate über der Geburtenrate. In Nordhausen reagieren wir mit dem Programm „Stadtumbau-Ost“ auf diese deutschlandweite Entwicklung.

Weitere Rahmenbedingungen für ein Vorwärts in der Wirtschaftsentwicklung unserer Region sind gesetzt.
Kurz vor Weihnachten wurden die Verträge für die Ansiedlung eines größeren Betriebes im Industriegebiet am ehemaligen Nordhäuser Heizkraftwerk unterzeichnet.

Ein positives Signal, das die Menschen ohne Arbeit so dringend brauchen ? vor allem nach der Schließung des Reemtsma-Werkes im zurückliegenden Jahr. Diese Entscheidung, gefallen irgendwo in den Sphären der globalisierten Wirtschaft, kam über uns ähnlich wie das Naturereignis der Flut; hat uns, ebenfalls wie die Flut, die Grenzen unseres Handelns gezeigt: Die Versuche vieler politisch Handelnder in und aus Nordhausen, eine andere Entscheidung herbeizuführen, blieb erfolglos. Die jahrhundertelange Tradition der Tabakherstellung in Nordhausen wurde jäh beendet. Das war bitter für uns alle. Doch wir sehen nach vorn.

Die wirtschaftliche Lage in unserer Region ist tatsächlich nicht so schlecht, wie sie oft dargestellt wird. Bei den Insolvenzen ? so schmerzhaft, wie auch jede einzelne ist - liegt Nordthüringen deutlich unter dem Durchschnitt des gesamten Freistaates. In der Arbeitsproduktivität liegt Nordhausen an dritter Stelle in Thüringen. Das sollte uns Mut machen.

Ich weiß, dass auch im letzten Jahr neben den konjunkturellen Schwierigkeiten weitere Härten auf Ihre Betriebe zugekommen sind. So stießen die Beitragsbescheide für Abwasser Ende dieses Jahres auf Unverständnis. Lassen Sie mich dazu nochmals erklären. Wir als Stadt waren gezwungen, diese Beiträge zu erheben und das bis zum 31. 12. 2002. Falls dies nicht geschah, drohte die Verjährung und als Verwaltungsleitung schwebte über uns der Verdacht der Untreue. Um es klar zu sagen, es war also nicht die finanzielle Not, die unseren Stadtentwässerungsbetrieb dazu trieb, die Beiträge einzufordern. In diesem Zusammenhang wurden alte Vorwürfe wieder laut, die gern und oft insbesondere vom Bund der Steuerzahler ins Feld geführt werden. Die Kläranlagen im Osten seien unrentabel.
Lassen sie mich erinnern: Das Umweltdezernat der Stadt hat bereist Anfang der 90er Jahre deutlich auf die Bremse getreten, als sogenannte „Berater“ es für dringend nötig hielten, die neue Kläranlage für 160.000 bis 200.000 Einwohnergleichwerte für Nordhausen zu konzipieren.

Letztlich wurde für 75.400 Einwohnergleichwerte gebaut. Hinzu kommt, dass die Anlage mitgenutzt wird vom Abwasserzweckverband Südharz mit noch einmal rund 24.600 Einwohnergleichwerte. Selbstverständlich wurden bei der Erhebung der Herstellungsbeiträge für Nordhausen auch nur der Nordhäuser Anteil berechnet. Diese gemeinsame Nutzung der Kläranlage hat den Effekt, dass die spezifischen Kosten deutlich geringer sind. Mit 510 Mark Herstellungskosten pro Einwohner (255 ? ) liegt unsere Anlage deutlich unter dem Durchschnitt, der bei unserer Größe von 800 DM (400 ?) angegeben wird. Das wird Ihnen und auch uns die Belastung durch die Beiträge nicht nehmen, soll allerdings deutlich machen, dass wir bei Planung und Betrieb der Anlage verantwortungsvoll gehandelt haben. Das wurde vom Innenminister Andreas Trautvetter bei seinem Besuch in Nordhausen am 2. Januar 2003 bestätigt. In vielen Einzelgesprächen werden wir versuchen, Härtefallregelungen zum Tragen zu bringen.

Meine sehr geehrten Herren und Damen,
die Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten der Politik sind begrenzt. Die seelische Temperatur in einem Land steigt nicht durch Kabinetts- und Parlaments- oder Stadtratsbeschlüsse, nicht durch Mehrausgaben in den öffentlichen Haushalten, noch durch die Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst. Die seelische Temperatur in unserer Gesellschaft steigt mit jedem Beitrag, den ein Bürger für einen Mitmenschen und für die Gemeinschaft leistet, mit jedem Stückchen Zivilcourage gegen Gewalt und Brutalität, mit jedem Akt, der die Menschenwürde und Persönlichkeit achtet.

Und nun komme ich nochmals auf mein Eingangszitat zurück (Jaspers): Was wir jetzt tun, entscheidet mit über die Zukunft von uns allen. Wir stehen in der Verantwortung. Nichts, was jetzt möglich ist, darf versäumt werden. Nichts sollte verloren gehen.

Ich wünsche mir, dass wir das umsetzen, was wir als richtig und notwendig erkannt haben.

Lassen Sie uns bewusst diese Verantwortungsgemeinschaft bilden. Wir brauchen eine lokale Antwort auf die ständigen Herausforderungen.

Wir brauchen endlich ein lokales Wir.“


Zu den Bildern: Oberbürgermeisterin Barbara Rinke sagte: "Wir brauchen ein lokals Wir!" Hier im Gespräch mit Kyffhäuserkreis - Landrat Hengestermann und Sonderhausens Bürgermeister Joachim Kreyer.

Die Musik kam von Sike Gonska und Frieder Bergner.

Mehr als 100 Gäste kamen in den Bürgersaal im Nordhäuser Neuen Rathaus.