Meldung

Den künstlerischen Kleinoden des Nordhäuser Stadtparkes auf der Spur

Donnerstag, 15. August 2019, 17:46 Uhr
Zum Nordhäuser Stadtparkfest am 24. August können Interessierte und Neugierige sich mit Heidelore Kneffel ab 13.30 Uhr zu Denkmälern begeben, die im 20. Jahrhundert auf dem Parkgelände nahe der Zorge aufgestellt wurden. Warum, weshalb, weswegen wird die Führung offenbaren.

Gleich 1900 wurde ein Mann mit einem Erinnerungsmal geehrt, der über Nordhausen hinaus Bedeutung erlangt hatte - Dr. med. Oscar Hasse. Am nördlichen Ausgang steht ein imposanter Findling, der sein Porträtmedaillon trägt. Der Nordhäuser Harzklub widmete das auffällige Denkmal, zu dem noch zahlreiche andere Steinbrocken gehören, seinem Begründer und langjährigen Vorsitzenden, Dr. Oscar Hasse, einem begeisterten Förderer der Harztouristik, aber auch einem verdienten Arzt, Forscher und gemeinnützigen Bürger Nordhausens. Das metallene Porträt Hasses stammt von dem anerkannten Bildhauer Arnold Künne (1866-1942) aus Berlin. Er schuf in ganz Deutschland Denkmäler mit Standbildern, Büsten und Reliefs.
Oscar Hasse wurde 1837 in Quedlinburg geboren, starb 1898 in Nordhausen. Er war studierter Mediziner mit Promotion. Am 25. Oktober 1864 lässt er sich als Arzt in Nordhausen nieder. Er entfaltet sich insbesondere auf einem Gebiet der ärztlichen Kunst, das damals in den Kinderschuhen steckte: der Blutübertragung. Genaueres darüber wird an seinem Denkmal verkündet. Hasse war ein eifriger Wanderer, der Harz war seine Leidenschaft. So gründete er den Nordhäuser Harzklub-Zweigverein, wird sein Vorsitzender und Ehrenvorsitzender. Nach seinem Tod fällt es nicht schwer, Spenden für einen Gedenkstein zu sammeln. Er soll selbstlos gewesen sein, frei von persönlichem Ehrgeiz und nachsichtig gegenüber menschlichen Schwächen.

1905 gab es für die Nordhäuser einen weiteren Anlass, ein Denkmal zu errichten, denn am 9. Mai, als sich der Tod des berühmten Dichters Friedrich Schiller zum hundertsten Mal jährte, wurde im Stadtpark eine Schiller-Linde gepflanzt. Von den Kirchen der Stadt klang das Extrageläut bis hin zur Grünanlage. Der damalige Oberbürgermeister Carl Contag führte aus: Wo habe die Freiheit einen glühenderen Verehrer gefunden als in Schiller? Sein Feuergeist habe in seinen Werken für Freiheit und Menschenrechte gestritten. Eine Linde wurde gepflanzt, der Baum der Poesie, wo sich Alt und Jung fanden seit jenen Zeiten unter einem solchen zu ernsthaftem Gespräch, zu Lust und Scherz und Tanz zusammenfanden. Um die Pflanzstelle sollte ein Schillerhain mit des Dichters Porträt vom Bildhauer Schmidt-Felling aus Berlin.angelegt werden, der bis zum 10.11.1905 fertig wurde. Mittelpunkt war eine Schillerbank, die nicht mehr am Platze steht. Warum das so ist, wird am 24.8. am heutigen Schillerstein kundgetan, auch mit zahlreichen Bildern von einst.

Am südlichen Eingang zum Park vor der ehemaligen Gaststätte „Gambrinus“, vormals einer beliebten Ausspanne errichtete man 1914 auf Initiative des Tierschutzvereins den Pferdebrunnen, auch Pferdetränke genannt. Er diente vor allem den damals noch zahlreich eingesetzten Zugtieren, den Pferden, Ochsen und auch Kühen als Tränke, aber auch den Hunden, denn es gab noch Hundegespanne. Dieses Becken war kleiner. „Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes“, dieser Bibelspruch ist noch am Brunnen zu lesen.

1921 wurde von Nordhäuser Christen im Park eine Reformatorenbank errichtet. Das geschah in Erinnerung an den Reichstag in Worms 1521, den Kaiser Karl V. für die Stände als ersten Reichstag seiner Regierungszeit einberufen hatte und an dem die Reichsacht über Luther verhängt worden war, weil er den Widerruf seiner reformatorischen Ansichten verweigert hatte. Diese Bank trägt als Inschrift die Namen von Michael Meyenburg, Johannes Spangenberg und Justus Jonas, drei Persönlichkeiten der Reformation in Nordhausen und darüber hinaus.
2004 war die Bank so marode, dass Annelies Lesser, Mutter von Andreas Lesser, dem Initiator der Lesserstiftung in Nordhausen, die Errichtung einer erneuerten Bank mit einer größeren Geld-Spende möglich machte. Nahe des Hasse-Denkmals steht ein Haus, das bei der Führung auch Erwähnung finden wird, das ehemalige Kurhaus, heute das Kinderheim "Frohe Zukunft", 1897 errichtet vom Gastwirt Heinrich Elster, so dass man es auch „Elsternest“ nannte. Er ließ ein villenartiges Gebäude errichten, welches Übernachtungsmöglichkeiten für 20 Person bot. Es hatte den Charakter eines Gartenrestaurants. Um 1910 gehörte das „Kurhaus“ in der Harzstraße 9, dann Parkallee 9, einem Carl Behrens.

Der Gang zu den Denkmälern des Stadtparkes bietet so manche Möglichkeit, über "Nordhäuser Geschichten" zu sprechen.


Verfasst von Frau Heidelore Kneffel
Wir verwenden Cookies um die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren und geben hierzu Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an Partner weiter. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Impressum und der Datenschutzerklärung.