Wir verwenden Cookies um die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren und geben hierzu Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an Partner weiter. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Impressum und der Datenschutzerklärung.

Heute war Wiedereinweihung: Nordhausen hat das einzige jüdische Kriegerdenkmal des Freistaates

Mittwoch, 15.Juni 2005, 17:33 Uhr
Nordhausen (psv) In Nordhausen ist heute Nachmittag auf dem jüdischen Friedhof nach mehrmonatiger Rekonstruktionszeit das Denkmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten wieder eingeweiht worden.

Nordhausens Oberbürgermeisterin Barbara Rinke sagte mit Blick auf die Geschichte des Denkmals : „Wir wollen nicht, dass weder über die jüdischen Gräber noch über die jüdische Geschichte in unserer Stadt Gras wächst. Diese jungen Männer, an die hier erinnert wird, haben ihr Leben für ihre Stadt und ihr Land gelassen.“ Die Oberbürgermeisterin dankte allen Privatpersonen und Vereinigungen um ihren Amtsvorgänger Dr. Manfred Schröter, „die die Wiederaufstellung möglich gemacht haben.“

Wolfgang Nossen, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Thüringens sprach von „gemischten Gefühlen, mit denen ich hier auf dem Friedhof stehe: Einerseits freue ich mich, dass Nordhausen zum wiederholten Male die Initiative ergriffen hat, um seine jüdische Vergangenheit in die Gegenwart zu holen und sich dazu zu bekennen.“


Zum Bild: Wolfgang Nossen vor dem wieder eingeweihten Kriegerdenkmal.

Andererseits spiegele sich in der damaligen Aufstellung von Kriegerdenkmalen auch eine „Vaterländlerei“ wider, die später zum 2. Weltkrieg und zur Vernichtung der Juden geführt habe. „Diese Kriegerdenkmale waren auch immer eine Kampfansage an die alt-neuen Feinde.“ Nossen weiter: „Viele der getöteten jüdischen Soldaten wähnten Deutschland als ihr Vaterland. Und der 1. Weltkrieg war auch kein Krieg für´s Vaterland - keiner der Landser ist für sein Vaterland gefallen, denn sie sind nicht vor Erfurt oder Berlin gefallen, sondern in Verdun und anderen Orten außerhalb Deutschlands.“ Mit Blick auf die jüdischen Soldaten des 1. Weltkrieges sagte Nossen: „Deutschland hat diese ? seine ? Opfer nie angenommen, sondern sie misstrauisch beobachtet. Und die ehemaligen jüdischen Weltkriegs-Kämpfer dachten noch in Theresienstadt, dass ihr Soldat-Sein sie vor Auschwitz bewahren könne. Das war ein Irrtum.“ Trotzdem, so Nossen, sei die Wiedereinweihung positiv, „da das Denkmal das Bild über die angeblich `feigen Juden´ zurechtrücken kann.“ Nossen warnte zugleich vor den Neonazis: „Sie sind eine Gefahr für Deutschland!“

Zur Wiedereinweihung, an der rund 70 Nordhäuserinnen und Nordhäuser ? darunter zahlreiche Stadträte - teilnahmen, spielte ein Polizeiorchester. Zwei Bundeswehrsoldaten standen als Ehrenposten neben dem Denkmal. Teilnehmer der Veranstaltung war Bundeswehr-Oberst Hans-Peter Koch, Kommandeur im Verteidigungsbezirk 71 Thüringen und Oberstleutnant Jürgen Koblitz, der Leiter des Verbindungskommandos 713 in Nordhausen.

Das Denkmal war im April 1945 durch einen benachbarten Bombeneinschlag schwer beschädigt und verschüttet worden. In den Jahren 2004 und 2005 wurde es freigelegt und restauriert. Es trägt die Namen von 15 Gefallenen der früheren jüdischen Gemeinde Nordhausens. Stadt und Freistaat haben rund 5000 Euro in die Restaurierung investiert.

Der jüdische Friedhof stammt aus dem Jahr 1822 ? er ist der älteste Friedhof der Stadt. Die letzte Urnenbeisetzung fand im Jahr 1980 statt. Auf dem Friedhof gibt es u.a. auch 21 Kindergräber.