Meldung

In der „Flohburg“: Ausstellung widmet sich Nordhäuser Persönlichkeiten

Dienstag, 15. November 2005, 16:55 Uhr
Nordhausen (psv) Die Nordhäuser sind ein vigilantes Volk. Das dokumentiert jetzt anhand von 6 Beispielen die Ausstellung „Nordhäuser Persönlichkeiten ? Jahrestage“ in der Altstadtgalerie „Flohburg“, die Oberbürgermeisterin Barbara Rinke heute (15. November) um 18 Uhr eröffnen wird.

Die Schau widmet sich Nordhäuser Persönlichkeiten, die sich auf verschiedenen Gebieten verdient gemacht haben: Karl Meyer als Stadthistoriker, August Ephraim Kramer als Erfinder des Zeigertelegraphen, Melchior von Aachen als Humanist und Stadtschreiber, Michael Meyenburg als verdienter Bürgermeister, Justus Jonas als Reformator und August Stolberg als Museums-Direktor und Grönland-Forschungsreisender.

Zum Bild: Praktikant Thomas Otte vor einem Bild August Stolbergs und mit dessen Original-Schneeschuhen von der Grönland-Expedition.

Die Ausstellung wird gleichzeitig illustriert von zum Großteil bisher ungesehenen Schaustücken ?, die überwiegend aus dem Stadtarchiv und dem Museumsdepot stammen. Zu sehen sind unter anderem Schneeschuhe der Eis-Expedition, Zeigertelegraphen und ein imposanter Wappenteppich.

„Wir wollen verdiente Nordhäuser Persönlichkeiten wieder stärker in das kollektive Bewusstsein unserer Stadt ? und vor allem der Jüngeren - rücken. Daher die Idee der Ausstellung. Wir mussten allerdings eingrenzen und haben uns deshalb auf jene Personen konzentriert, deren Todestag im Jahr 2005 eine runde Wiederkehr haben“, so der Nordhäuser Künstler Jürgen Rennebach, der die Ausstellung konzipiert und gemeinsam mit den Mitarbeitern des Stadtarchivs, des Museumsdepots und des städtischen Kulturamtes gestaltet hat. „Natürlich gibt es viel mehr verdiente Nordhäuser. Doch es ist ja noch nicht aller Tage Abend ? es wird hoffentlich eine weitere Ausstellung geben“, so Rennbach.

Das Betätigungsfeld der dokumentierten Persönlichkeiten ist breit. „So war der Stadthistoriker, Lehrer und Heimatforscher Karl Meyer, er starb 1935, ? nach ihm war einst ein Wall und ist heute eine Straße benannt ? der Verfasser des heimatkundlichen und in Nordhäuser Mundart geschriebenen Lesebuches „Nordhisser Schnurren“. Neben Texten und Fotos aus Meyers Leben zeigen wir historische und neue Ausgaben dieses bis heute gern gelesenen Buches“, so Rennebach.

Bei August Ephraim Kramer (gestorben 1885) stehe dessen Pioniertätigkeit bei der Entwicklung von Nachrichten-Übertragungstechnik im Mittelpunkt der Dokumentation „Kramer war der Erfinder des Zeigertelegraphen und stand in Kontakt u.a. mit Alexander von Humboldt. Seine erste Test-Übertragung von Nachrichten ging vom Altentor bis etwa zur Höhe des heutigen `Parkschlosses´. Der damals gesendeten Text findet sich in der Ausstellung wieder“, sagte Jürgen Rennebach.

Kramers Erfindungen hätten zwei Patente bekommen, die Firma Siemens habe Kramers Erfindungstätigkeit interessiert und sehr genau verfolgt und seinen 1. Zeigertelegrafen für 500 Reichsmark aufgekauft.

Die Besucher könnten einen Original-Zeigertelegraphen besichtigen, der aus den Beständen des „Tabakspeicher“-Museums stamme, ein weiterer sei im Technischen Museum München zu sehen. „Wir zeigen noch weitere Apparate, die Kramer von Nordhäuser Handwerkern fertigen ließ ? darunter Uhren, Läutwerke, Relais und mechanische Spielzeuge für seinen Sohn.“ Zur Illustration habe man auch das Original-Teil eines damals genutzten Hochsee-Nachrichtenkabels in die Vitrine gelegt.

August Stolberg (1945 gestorben) war über viele Jahre hinweg Direktor des Nordhäuser Museum ? dem heutigen „Kunsthaus Meyenburg“. Unter seiner Ägide habe das Museum einen Aufschwung erlebt, so Rennebach. Doch Stolberg war auch Forschungsreisender. „Zweimal ? 1909 und 1912 - war Stolberg auf Expeditionen in Grönland unterwegs. Wir zeigen Fotos von diesen Reisen, Original-Vermessungsinstrumente aus diesen Tagen, seine Balgen-Kamera, die Schnee-Schuhe, mit denen er im Eis unterwegs war und einen langen Narwal-Zahn, den er mitgebracht hat.“ Stolberg sei ein außergewöhnlich vielseitiger Mann gewesen ? das werde in der Ausstellung auch anhand von Texten gezeigt. Es sei vor allem dem Nordhäuser Hans-Dieter Werther zu verdanken, dass viele Exponate zu Leben und Wirken Stolbergs gezeigt werden könnten, da dieser aus seinem Privatbesitz zahlreiche Ausstellungsstücke zur Verfügung gestellt habe.

Im Mittelpunkt der Dokumentation zu Michael Meyenburg (gestorben 1555)steht dessen Wirken als Nordhäuser Bürgermeister und Reformator. „Meyenburg hat als Nordhausens Bürgermeister geschickt und damit erfolgreich taktiert. Das war damals wichtig, da das vom Territorium her relativ kleine Nordhausen von Grafschaften förmlich umzingelt war, mit denen man sich arrangieren musste. Darüber hinaus wird natürlich Meyenburgs Wirken im Zusammenhang mit der Reformation gezeigt.“ Man werde u.a. eine Abbildung des Epitaphs ausstellen, in dem Meyenburg im Kreise seiner Familie und mit führenden Reformatoren abgebildet ist. Darüber hinaus werde das Dekret aus dem Jahr 1524 ausgestellt, mit dem die Reformation in Nordhausen eingeführt wurde und das die Predigt nach dem Evangelium vorschriebe ? bei Strafandrohung im Falle der Missachtung.

Ein Zeitgenosse Meyenburgs war Melchior von Aachen (gestorben 1555). Von Aachen sei Nordhäuser Oberstadtschreiber gewesen und Vertreter des Humanismus. „Es hat in seiner Zeit offensichtlich eine große geistige Wirkkraft entfaltet ? Justus Jonas hat ihm z.B. in seiner Korrespondenz gewünscht, dass er für Nordhausen dieselbe Rolle spielen möge wie es Erasmus von Rotterdam bereits tue“, so Rennebach. „Melchior von Aachen ist auch in Nordhausen noch relativ unbekannt ? und war zumindest für mich die überraschende Neuentdeckung.“

Auch Justus Jonas (gestorben ebenfalls 1555) wird in der Ausstellung gewürdigt. Der Weggefährte Luthers hat in zahlreichen Aufzeichnungen und Briefen immer wieder von seiner Heimatstadt Nordhausen geschwärmt. Diese und andere persönliche Zeugnisse seines Lebens werden gezeigt.

„Neben der Illustration des Lebens der Nordhäuser Persönlichkeiten haben wir kleinere Ausstellungsstücke aus der jeweiligen Wirkepoche bereitgestellt. Wir zeigen zum Beispiel eine Original- Renaissance-Truhe, die bisher noch nicht zu sehen war, einen großen und imposanten Wappen-Teppich, ein imposantes historisches Messbuch und vier Heiligen-Figuren, die früher auf dem Altar der Spendekirche standen“, kündigte Jürgen Rennebach an.

Die Ausstellung ist bis zum 30. Dezember in der „Flohburg“ ? von dienstags bis sonntags zwischen 10 bis 17 Uhr ? zu sehen.
Wir verwenden Cookies um die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren und geben hierzu Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an Partner weiter. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Impressum und der Datenschutzerklärung.