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Zwischen Erinnerung und Gegenwart: Vernissage in der Flohburg eröffnet neue Sonderausstellung

Bild: Prof. Dr. Günter Morsch
Prof. Dr. Günter Morsch hält die Einführung in die Sonderausstellung (Foto: Pressestelle)
„Wer ein Menschenleben rettet, dem wird es angerechnet, als würde er die ganze Welt retten. Wer ein Menschenleben auslöscht, dem wird es angerechnet, als würde er die ganze Welt auslöschen.“ (Zitat aus dem Talmud)

Am vergangenen Donnerstag fand in der FLOHBURG | Das Nordhausen Museum die Vernissage zu der Sonderausstellung „Wer ein Leben rettet…“ – Lebensgeschichten von Kindern des „Verlorenen Transports“ statt. Die Ausstellung, die durch ihre bunt leuchtenden Ausstellungsstelen visuell eine einzigartige Atmosphäre schafft, ist vom 4. Juni bis 6. September 2026 zu sehen und kann dank der Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora gezeigt werden.

Die Bürgermeisterin Alexandra Rieger begrüßte die Besucher des Abends und betonte in ihrer Rede die Pflicht des lebendigen Erinnerns: „Wir dürfen die NS-Geschichte weder verdrängen noch vergessen. Wir müssen uns mit ihr auseinandersetzen, immer wieder. Auch dafür sind Museen wie die Flohburg da.“ Sie hob hervor, dass das Stadtmuseum in den vergangenen Jahren mehrfach Sonderausstellungen wie „Dienstverpflichtet in Nordhausen“, „Rosa Winkel“ oder zur Verfolgung von Sinti und Roma präsentierte, die sich dem Thema aus verschiedenen Richtungen näherten. „Ich freue mich sehr, dass diese Wanderausstellung nun das erste Mal in Thüringen gezeigt wird“, so die Bürgermeisterin. Neben ihr hießen auch Museumsleiterin Susanne Hinsching und der Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Andreas Froese, die Gäste willkommen.
Der Initiator und Kurator der Ausstellung, Prof. Dr. Günter Morsch, führte inhaltlich in die historischen Hintergründe ein. Die Ausstellung wolle zum Nachdenken anregen über die Rollen und Bedeutungen, die Chancen und Möglichkeiten, Gutes zu tun und sich gegen Hass, Unrecht und Gewalt zu wehren, gerade in der heutigen Zeit. Der Historiker positionierte die Wanderausstellung als klares Plädoyer dafür, die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit nicht allein dem Staat zu überlassen. Es gelte, einem zunehmenden „Erinnerungsstolz“ in Politik und Öffentlichkeit entgegenzuwirken. Die Erinnerung müsse in der Zivilgesellschaft auch nach dem Ende der Zeitzeugenschaft als lebendiger Bezug für Gegenwart und Zukunft bewahrt werden.
Zudem betonte Morsch, dass die Ausstellung durch ihre moderne Gestaltung mit Grafiken, Medienstationen und Interviews insbesondere heutige Jugendliche ansprechen wolle.

Die Wanderausstellung wurde bereits an über zehn Orten gezeigt. Sie widmet sich den Kindern des „Verlorenen Transports“: Am 23. April 1945 befreite die Rote Armee bei Tröbitz (Lausitz) über 2300 entkräftete jüdische Gefangene aus einem Deportationszug des KZs Bergen-Belsen. Rund 500 Menschen starben während der Fahrt oder kurz danach.
Die vom Freundeskreis Technisches Denkmal Brikettfabrik LOUISE e.V. erarbeitete Ausstellung zeigt anhand von seltenen Bildern, Zeichnungen und Texten die biografischen Wege von acht betroffenen Kindern. Beleuchtet werden unter anderem ihre Verhaftung, die spezifischen Kindheitserfahrungen im KZ sowie ihr Erleben während des Transports und bei den Begegnungen mit der deutschen Bevölkerung in Tröbitz. Ein Schwerpunkt liegt auf der Zeit nach der Befreiung. „Wer ein Leben rettet…“ schlägt dabei den Bogen von der Vergangenheit bis zu den nachkommenden Generationen.

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