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Anfrage an den Oberbürgermeister

Anfrage vom 15. November 2017
gestellt von: Stadtratsmitglied Steffen Iffland
Stadtarchiv
Das Stadtarchiv gehört zur Pflichtaufgabe der Stadt Nordhausen. In den vergangenen Jahren gab es verschiedene Bemühungen, eine Zusammenarbeit zwischen Kreis-, Kirchen- und Stadtarchiv zu finden, um evtl. gemeinsame Räumlichkeiten nutzen zu können. Die Räumlichkeiten des Stadtarchives sind begrenzt und sehr eng. Teilweise habe man auch mit feuchten Wänden zu kämpfen. Bei Besichtigungen des Depots konnten sich die Mitglieder des Ausschusses für Kultur, Stadtmarketing und Tourismus mehrfach von diesem Zustand überzeugen. Auch bei der Ausstattung des Archives sei man im Vergleich zu anderen Stadtarchiven weit hinterher. Die Scanner wurden von der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung finanziert, obwohl es sich um eine Pflichtaufgabe handelt.

1.
Gibt es mittlerweile Lösungen zwischen dem Landkreis (Kreisarchiv) und der Stadt in Bezug auf ein gemeinsames Archiv?
2.
Wenn nicht, besteht die Möglichkeit, andere Räumlichkeiten anzumieten, damit das Archiv in Zukunft vernünftig untergebracht ist?

Die archivbauliche Situation des Stadtarchivs ist grundsätzlich unzureichend bis schlecht. Keller oder Dachböden sind nie die richtigen Lagerräume für Archivgut. Es bedarf in der Tat langfristig großer Anstrengungen der Stadtverwaltung, die archivbauliche Situation an die einschlägigen DIN/ISO-Standards, Vergleichsbeispiele in Thüringen und die Anforderungen einer traditionsreichen Pflichtaufgabe gemäß ThürArchivG v. 23.04.1992, der ThürKO v. 28.01.2003 sowie der Satzung über Aufgaben und Benutzung des Stadtarchivs Nordhausen v. 29.01.2013 anzunähern. Leider ist das archivreife Schrift- und historische Archivgut der Stadtverwaltung seit Jahrzehnten zersplittert gelagert, gerade die historischen Unterlagen baulich unzureichend untergebracht. Die konkreten Defizite wurden seit 2012 regelmäßig gegenüber vorgesetzten Stellen angezeigt, zuletzt z.K. des OB im Übergabeprotokoll v. 26.09.2017. Die IT-Ausstattung und digitale Präsenz des Archivs konnten seit 2012 optimiert und überwiegend aus städtischen Mitteln finanziert werden (Buchscanner 2013 mit 50 % Kostenübernahme von Stadt bzw. Lesser-Stiftung, Mikrofilm-Scanner für Zeitungen u.a. 2017). Zu Frage 1) Eine „Zusammenlegung“ von Stadt- und Kreisarchiv im Sinne einer Verschmelzung ist von keiner Seite anvisiert worden. Vielmehr wurde eine Kombination beider in einem Gebäude unter gemeinsamer Nutzung von Teilfunktionen angedacht. Alle bekannten Beispiele von Kreis- und Stadtarchiven deutschlandweit respektieren die institutionelle Eigenheit bei Aufgabendelegierung an einen der Partner, Depositalverträgen oder der Begründung eines Zweckverbands. 2012-2015 wurde darum archivseits anvisiert, fachliche und infrastrukturelle Synergien zugunsten der BenutzerInnen, der Arbeitseffizienz und der Standardsicherung durch eine Kombination von vielen und minder gut betreuten Archivierungsaufgaben der Stadt und – soweit gewünscht – des Landkreises anzustreben. Auf diesem Hintergrund hat der Stadtrat am 15.05.2013 beschlossen, prüfen zu lassen, inwieweit eine Erweiterung des Stadtarchivs realisierbar wäre, den Archivierungsbedarf darzustellen und eine mögliche Vernetzung mit anderen archivierenden Einrichtungen zu prüfen. Anschließend sollten Gebäudeoptionen im Besitz der Stadt geprüft und eine finanzielle Kostenschätzung vorgelegt werden. 2014/2015 wurde erstmals aus städtischen Mitteln eine solche Machbarkeitsstudie angegangen. Aufgrund der Haushaltskonsolidierung konnte nur eine Expertise zu Mengengerüst und Depotberichten beauftragt werden. Dieses liegt seit Mai 2015 vor, wurde am 8.06.2015 im Kulturausschuss präsentiert und dem Kreisarchiv im Mai 2015 zugestellt. Seit Übergabe des Gutachtens hat das Stadtarchiv keine Reaktion o.ä. von Seiten des Landkreises erhalten. Infolgedessen gibt es momentan keine Lösungsansätze für eine evtl. Kombination beider Archive in einem Gebäudekomplex. Für einen nächsten Schritt hin zu einer umfassenden Lösung des Problems sind ein seriöses Fachgutachten zu einer konkreten Gebäudeauswahl und eine architektonische Entwurfsplanung unverzichtbar, um Kosten abzuschätzen und eine verlässliche Entscheidungsvorlage zu erstellen. Immobilien im Besitz von Stadt oder Landkreis wären vorhanden, stehen leer oder sind ggf. anmietbar. Für das Stadtarchiv allein – oder in Kombination mit dem Kreisarchiv - sind mehrere Optionen denkbar. Dieser Schritt benötigt jedoch Investivmittel zwischen 15.000 – 20.000,- €, die infolge der Haushaltslage bislang und kurzfristig nicht verfügbar sind. Ohne Bereitstellung von Eigenmitteln sind keine Drittmittel für eine solche Aufgabe einwerbbar. Zu Frage 2) Auf diesem Hintergrund musste die Übernahme von archivreifem Schriftgut zeitweise eingestellt werden. Die Raumnot war zu entschärfen und zugleich der Freizug des Walkenrieder Hofes/Waisenhauses zu realisieren. Es fanden Besichtigungen von Ausweichräumen in 2016-2017 statt. Schließlich hat die Stadtverwaltung 2017 im ehemaligen BBZ zwei EG-Räume und einen Nebenraum mit ca. 200 m² angemietet, um diese als provisorisches Außenmagazin einzurichten. Das mildert die akute Platznot und ermöglicht weitere Übernahme von archivreifem Schriftgut. Gleichwohl müssen die ältesten und wichtigsten historischen Unterlagen im Neuen Rathaus verbleiben. Im Dezember 2017 werden der Teilumzug von einigen Sammlungsbeständen und die Einrichtung des Arbeitsplatzes abgeschlossen. Die Einrichtung erfolgt aus Haushaltsmitteln. Klimatisierung, Rollregale o.ä. waren nicht finanzierbar. Damit ist noch keine akzeptable Raumlösung gefunden, aber mittelfristig das Raumproblem entspannt worden. Das Außenmagazin ist eine provisorische, aber bis auf weiteres einzig mögliche Teillösung.
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