Festakt "25 Jahre Deutsche Einheit" - Auszeichnung von ehrenamtlich Tätigen

Donnerstag, 01.Oktober 2015, 11:15 Uhr
Nordhausen (psv). Um ehrenamtliches Engagement zu ehren und zu würdigen, fand auch in diesem Jahr ein gemeinsamer Festakt von Stadt und Landkreis Nordhausen am 2. Oktober 2015, um 18 Uhr, im Theater Nordhausen statt.

Alle Ausgezeichneten des Abends
Da in diesem Jahr die Veranstaltung unter dem Motto „25. Jahrestag der Deutschen Einheit“ stand, wurden ehrenamtlich engagierte Persönlichkeiten aus Stadt und Landkreis, die sich im Interesse der Deutschen Einheit beziehungsweise in den vergangenen 25 Jahren um die Entwicklung von Stadt und Landkreis verdient gemacht haben, geehrt.

Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh ehrte folgende Personen:

Dr. Klaus Gebhardt

Der Arzt Klaus Gebhardt leitet die Urologische Abteilung im Krankenhaus Maxim Zetkin in Nordhausen seit 1968.Nach seinem Austritt aus der Blockpartei CDU im Jahr 1988 wandte er sich den politischen Umgestaltungsprozessen in Nordhausen verstärkt zu. Bereits vor den Ereignissen der Friedlichen Revolution engagierte sich Klaus Gebhardt als Leiter der Umweltgruppe im Kulturbund Nordhausen sehr für den Natur-und Umweltschutz. Die Aktivitäten dieser Umweltgruppe wurden durch die Stasi dauerhaft überwacht.

Ständige Einschüchterungsversuche und Konfliktandrohungen durch die Stasi ließen den Druck auf die Gruppe immer stärker werden, wovon sich Klaus Gebhardt und seine Umweltgruppe nicht abhalten ließen, ihre Ziele weiter zu verfolgen.

Auf den Montagsdemonstrationen forderte er für die Ärzteschaft dringend benötigte westliche medizinische Fachliteratur sowie Weiterbildungen im westlichen Ausland.

Klaus Gebhardt forschte nach den Stasi Unterlagen der Krankenhaus- mitarbeiter, die der Gauck Behörde zugestellt werden sollten. Diese Unterlagen fanden sich erst nach 2000 unbearbeitet im Landratsamt Nordhausen wieder. Daran ist erkennbar, wie schwierig es war, diese Unterlagen zu bewerten und einzubeziehen.

Am Runden Tisch setze er sich für die Belange des Gesundheitswesens konstruktiv ein und war Mitglied der Schlichtungskommission. Schon bald nach der Gründung der SPD wurde er Mitglied dieser Partei.

Nach der Friedlichen Revolution wurde er von den Chefärzten des Krankenhauses zum Ärztlichen Direktor gewählt.

In den Folgejahren arbeitete er mit dem Geschäftsführer Antonius Pille an der erfolgreichen Umgestaltung des Nordhäuser Krankenhauses zu einer modernst ausgestatteten Klinik gemeinsam weiter.

Sein politisches Engagement setzte er als Stadtratsmitglied und Beigeordneter bis zur Vollendung seines 65. Lebensjahres für die Stadt Nordhausen fort.

Jutta-Karin Busch

Karin Busch hat als Gemeindeschwester sich sehr für die Veränderungen in der ehemaligen DDR eingesetzt und wirkte besonders in Salza und Herreden.

Sie war durch ihre Arbeit sehr nah bei den Menschen, kannte die Sorgen und Ängste und machte immer wieder Mut zum Weitermachen.

Kurz nach der Friedlichen Revolution wurde die Poliklinik aufgelöst und es gab viele Entlassungen im Nordhäuser Krankenhaus. Frau Busch hat durch viel persönliches Engagement und ihre Kontakte zur Johanniter-Unfallhilfe Niedersachsen gemeinsam mit Thomas Pape die Sozialstation in der Landgrabenstraße ins Leben gerufen. Dadurch wurden die Gemeindeschwestern beim neuen Träger, den Johannitern, aufgefangen und die Versorgung der Patienten im ambulanten Bereich umstrukturiert. Die weitere Versorgung der einzelnen, zum Teil auch ländlichen Bereiche, war abgesichert. Fuhren die Gemeindeschwestern – jeder von uns kennt sie mindestens noch aus seiner Kindheit und Jugend – früher bei Wind und Wetter mit Motorrollern zu ihren Patienten, gab es nach der Wiedervereinigung kleine Pkw.

Die Sozialstation der Diakonie hat Karin Busch um die Jahrtausendwende mit aufgebaut. Auch der Hospizverein wurde u. a. durch ihr Engagement ins Leben gerufen.

Seit dem Ende der Friedlichen Revolution hatte Frau Busch ununterbrochen auch politische Ehrenämter inne. So war sie Mitglied der ersten demokratisch gewählten Stadtverordnetenversammlung und ist seither ununterbrochen für die CDU im Stadtrat aktiv. Seit 1990 leitet sie den Ausschuss für Stadtordnung und Ortsteile. Seit dem Jahr 2004 ist Karin Busch ehrenamtliche Ortsteilbürgermeisterin in Steigerthal.

Auch in Ihrer Funktion als Stadtratsmitglied galt ihr Engagement immer sozialen Themen. Sie kämpfte für die Alterssicherung für Menschen mit Behinderung und war eine der Mitinitiatoren des Seniorenheimes am Förstemannpark.

In den Zeiten der drastischen Geburtenrückgänge und der damit einhergehenden Schließung der Krippen in Nordhausen setzte sie sich für den Erhalt der Kinderkrippe in der Geschwister-Scholl-Straße ein.

Marco Kühlewind

Heute ist der ´Tag des Flüchtlings´ innerhalb der Interkulturellen Woche. Dies ist für uns Anlass, Herrn Marco Kühlewind für sein überdurchschnittliches Engagement für die Jugendlichen in Nordhausen Ost und insbesondere für sein Wirken innerhalb der aktuellen Integrationsarbeit zu danken.

Marco Kühlewind ist seit 2003 Mitarbeiter des Jugendcafés Ost, dessen Träger der Kreisjugendring Nordhausen e.V. ist.

Für die Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund ist er väterliche Respektsperson und genießt gleichzeitig ihre sehr hohe Anerkennung.

Alle diejenigen unter uns, welche Kinder durch die Pubertät begleitet haben, wissen, dass dies nicht selbstverständlich funktioniert.

Mit seiner Konzentration auf das Positive findet er für jedes Problem eine erfolgreiche Lösung. Weit über seinen Dienstauftrag hinaus aktiviert Herr Kühlewind sein privates Netzwerk, um die Jugendlichen bei der Suche nach Lehrstellen und bei Bewerbungen zu unterstützen.

Er aktiviert Sponsoren für Aufgaben, welche nicht durch öffentliche Fördermittel finanzierbar sind- er sucht stets nach Lösungen.

Seine Leidenschaft gilt dem Sport und der Gesundheitsförderung. In seiner Freizeit ist er als Sporttrainer und Organisator von Kochevents für die Jugendlichen da, wobei er zusätzlich Kontakte knüpfen oder vertiefen kann.

Marco Kühlewind erreicht bereits das, was gerade sehr aktuell eine der großen Herausforderungen unserer Gesellschaft darstellt. Er schafft Verständigung zwischen rechtsorientierten Jugendlichen und Gleichaltrigen aus Flüchtlingsfamilien. Die Verständigung erfolgt manchmal mit Händen und Füßen wobei auf pragmatische Weise im Jugendcafé deutsch gelernt wird.

Marco Kühlewind akzeptiert die Menschen so wie sie sind und bewahrt sich einen positiven Blick auf Jeden und ist Vorbild für junge Menschen unserer Zeit.

Dietlinde und Rudolf Rüther

Das Ehepaar Rüther zählte zur Initiatorengruppe der Friedlichen Revolution in Nordhausen. Die Deutschlehrerin Dietlinde Rüther und ihr Ehemann Pfarrer Rudolf Rüther waren die „geistigen Väter“ der Friedlichen Revolution. Beide nahmen an jeder Demonstration teil und formulierten in ihren pointierten Reden klare Ziele und Ideen. Sie hörten nie auf, immer wieder Mut zum Weiterkämpfen zu machen.

Als junger Pfarrer war Rudolf Rüther in einer kleinen Gemeinde in der Altmark tätig. Er war Mitglied der Blockpartei CDU. Er nahm an großen politischen Delegationen der DDR als „Ost-CDU-Mann“ teil und konnte innerhalb dieser Kreise mit den politisch Verantwortlichen u.a. Walter Ulbricht diskutieren.
Bei politischen und von ihm nicht zu tolerierenden Entwicklungen, wie der Bau der Berliner Mauer fiel er durch seinen geschickten öffentlichen Widerspruch auf. Damals stellte er eine Predigt unter das biblische Motto „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“.
Nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in der Tschechoslowakei im Jahre 1968 hielt Pfarrer Rüther in seiner Gemeinde eine Predigt die sich gegen diesen militärischen Akt wandte. Daraufhin wurde er aus der CDU ausgeschlossen und auch von der Kirche ins Abseits geschoben. Er bewarb sich auf eine Pfarrstelle in Nordhausen, wurde angenommen und wirkte dort in der Frauenberg-Kirche, einer der beiden Kirchen, von denen die Nordhäuser Friedliche Revolution ausging.
Um ihn und seine Frau entwickelte sich ein kleiner Kreis mutiger Menschen, die sich gegeneinander vertrauten, Aktionen und Demonstrationen vorbereiteten.

Frau Dietlinde Rüther erwarb sich große Verdienste bei der Aktensicherung der Stasi-Unterlagen am 4. Dezember 1989 durch das Neue Forum in der damaligen Dr. Kurt-Fischer-Straße. Ihre Gruppe fand dort nur Berge leerer Aktenordner, Papierschnipsel und Ascheberge vor. Sie arbeitete lange Zeit an dem Bericht „ Pfarrfrauen in der DDR“, welches 2010 als Buch mit dem Titel „ Das Leben ist schwer, das Leben ist schön“ erschien und u.a. viele Geschehnisse des Revolutionsherbstes beschreibt.

Die fünf Kinder der Familie Rüther wurden im Sinne der Verteidigung des christlichen Glaubens erzogen und äußerten ihre Meinungen, wofür sie
zahlreiche berufliche und menschliche Nachteile erfahren sowie persönliche Anfeindungen und Drohungen erleiden mussten.

Holger Wengler

Holger Wengler ist von Beruf Maschinen- und Anlagenmonteur, Diplomingenieur Maschinenbau und Verwaltungsbetriebswirt.
I
m September 1989 kam er als junger Mensch im Alter von 26 Jahren zu den ersten Fürbittgottesdiensten in die Altendorfer Kirche und wurde Mitglied einer kleinen Gruppe mutiger Umgestalter um Pfarrer Rüther und Mathias Türp.
Schon bald wurde er in den Initiativausschuss des Neuen Forum und zu einem der Sprecher des Neuen Forum gewählt, trat mehrmals zu den Demonstrationen auf dem August-Bebel-Platz an das Rednermikrofon, um die Menschen zu mobilisieren und wach zu halten.
Den von ihm vorgetragenen Forderungen des Neuen Forum nach Pressefreiheit, Auflösung der Kampfgruppen, Ausschluss von Parteifunktionären aus den Betrieben wurde nicht nachgekommen. Schwierige und für Holger Wengler gefährliche Situationen waren an der Tagesordnung, die Situation drohte zu kippen.
Das Neue Forum plante einen Generalstreik und initiierte den ersten Runden Tisch am 7. Dezember 1989, der noch vor dem ersten Runden Tisch in Berlin stattfand unter vorläufiger Leitung durch Holger Wengler und Mathias Türp.

Holger Wengler war mit der Auflösung der Kampfgruppen und der Organisation der Waffenverschrottung beauftragt, was er u.a. auch mit der direkten Unterstützung seines Vaters und seines Bruders erfolgreich bewältigen konnte.
Der Druck auf die SED-Kreisleitung erhöhte sich u.a. auch durch sein kluges und mutiges Handeln am Runden Tisch zunehmend und mündete im Mai 1990 in die ersten freien Kommunalwahlen.

Holger Wengler ist während und nach der Friedlichen Revolution in herausragender Vielfalt und sehr aktiv für den Erfolg beim Wandel eingetreten. Nachfolgend ausgewählte Aktivitäten zeugen von diesem großen Engagement.

- Ab Herbst 1989 gemeinsam mit Dagmar Jendricke Vertreter des Landkreises Nordhausen im Landessprecherrat des Neuen Forum
- Vertritt die neuen politischen Gruppierungen im alten Kreistag mit kurzem Rederecht
- Auflösung der Stasi-Kreisdienststelle, Sicherung der Quellendatei
- Ab Frühjahr 1990 Geschäftsführer des Neuen Forum sowie zum Vorsitzenden des Ausschusses für Vergangenheitsbewältigung in den Kreistag gewählt

Holger Wengler ist heute Mitarbeiter der Stadtverwaltung Nordhausen.

Gisela und Wolfgang Hartmann

Wolfgang und Gisela Hartmann zählten in der Friedlichen Revolution zu den Mitgliedern der Initiatorengruppe um Pfarrer Rüther.

Gisela Hartmann war bereits in der vorrevolutionären Zeit Wegbereiterin der gesellschaftlichen und politischen Wandlungen. Sie engagierte sich über die evangelische Kirche stets für Natur-und Umweltschutz

Über das durch sie gegründete Kirchliche Umweltseminar Nordhausen organisierte sie zahlreiche Aktionen, welche sich gegen die Zerstörung der Natur und für die Wiederbelebung kriegsgeschädigter Flächen richteten. Dazu zählten beispielsweise Pflanzaktionen am Petersberg.

Ambitioniert beteiligte sie sich an der Gründung des Neuen Forum und war Mitinitiatorin der Auflösung der Stasizentrale.

Sie war bei allen Montagsdemonstrationen dabei, trat mutig an das Rednermikrofon und rief immer wieder zu friedlichem Handeln auf.

Ihr Ehemann Wolfgang war in der Eigenverantwortung der demokratischen Kräfte als „Chef des Ordnungsdienstes“ für die Demonstranten zuständig. Er unterstützte seine Frau Gisela in dieser Zeit zuverlässig bei Allem was sie für die Friedliche Revolution leistete.

Von 1990-2005 war Gisela Hartmann Fachbereichsleiterin Umwelt und Naturschutz im Landratsamt Nordhausen.

Seit 2009 ist sie Stadtratsmitglied der Stadt Nordhausen für die Partei Bündnis 90/die Grünen, deren Fraktionsvorsitz sie bis zum vergangenen Jahr inne hatte. Sie war in zahlreichen Ausschüssen tätig und ist seit Beginn der laufenden Legislaturperiode Mitglied des Ausschusses für Stadtentwicklung.

Gisela Hartmanns große persönliche Leidenschaft – das wissen alle hier– gilt dem Park Hohenrode, einem Juwel unserer Stadt und des Südharzes.

Sie brachte eine Bürgerstiftung auf den Weg, die als Rechtsträger der bei der anspruchsvollen Rekultivierung, Nutzung und Pflege des Parks Hohenrode fungiert.

Sie gründete und leitet den Förderverein Park Hohenrode e.V.

Jutta Wehmann

Die Deutsch- und Musiklehrerin Jutta Wehmann zählte zum kleinen Kreis der Mutigen um Pfarrer Rüther. Sie gab bereits vor 1989 die ersten Impulse zur Friedlichen Revolution in Nordhausen.

Über die Fürbittgottesdienste in der Altendorfer Kirche wurde sie zur Mitbegründerin des Neuen Forum und dessen Initiativausschuss.

Jutta Wehmann kümmerte sich 1989/1990 um die ersten russisch-jüdischen Aussiedler, die nach der Grenzöffnung aus Osteuropa über Nordhausen nach Deutschland kamen und organisierte für diese Menschen u.a. eine Weihnachtsfeier im Theaterrestaurant.

Frau Wehmann erwarb große Verdienste um die Veränderung der Volksbildung, initiierte eine Arbeitsgruppe Volksbildung unter Einbeziehung aller Schulen der Stadt.

Nach der Friedlichen Revolution setzte sie sich für den Fortbestand der Landtechnik, der heutigen Fachhochschule, sowie den Erhalt des Nordhäuser Theaters ein.

Trotz ihrer starken Sehbehinderung nahm Jutta Wehmann an den Umgestaltungsprozessen aktiv teil und führte dieses Engagement in den Folgejahren auf verschiedenen anderen Wegen fort, um sich für Bildung, Kultur und Minderheiten einzusetzen.

Dazu zählt auch ihr Engagement als Gründungsmitglied im Partnerschaftsverein Nordhausen-Bochum, der in diesem Jahr sein 25jähriges Bestehen feierte.

Um das junge Radio OKN in Nordhausen in schwierigen Zeiten zu unterstützen führte sie 2 Jahre lang eine monatliche Radiosendung durch.

Ihre ehrenamtlichen Aktivitäten erstrecken sich auf den Erhalt des Gipskarstgebietes und der Goldenen Aue, ihre Mitarbeit im Evangelischen Gemeindekirchenrat bis 2007 und im Förderverein des Theaters Nordhausen bis heute.

Gudrun und Hans-Joachim Tischer

Frau Gudrun Tischer, von Beruf Veterinäringenieurin war als Mitglied des Gemeindekirchenrates der Frauenberg-Kirche gemeinsam mit ihrem Ehemann Gründungsmitglied des Neuen Forum Nordhausen.

Im direkten Umfeld von Pfarrer Rüther haben Gudrun und Hans-Joachim Tischer die neue Bewegung in vielen organisatorischen Dingen unterstützt. Es galt, die Veranstaltungen und Märsche vorzubereiten, Flugblätter zu drucken und zu verteilen, Fahrdienste zu leisten. Jede helfende Hand wurde gebraucht, damit Alles friedlich ablaufen konnte.

Große organisatorische Unterstützung in der Zeit der Friedlichen Revolution erhielt die Frauenberg-Kirche über die Partnerschaft zur Kirchengemeinde der Pnel Kerk aus Utrecht in Holland, die es bereits seit 1983 gab. Es wurden Papier und Kopiergeräte über die Grenze geschmuggelt, es wurde Mut gemacht und Freundschaften geschlossen.

Bei Allem was seine Frau Gudrun für das neue Forum tat, hatte sie stets Unterstützung durch ihren Mann Hans-Joachim, von Beruf Mathematiklehrer im Berufsschulwesen.

Während seiner Lehrertätigkeit versuchte Herr Tischer stets, im Rahmen seiner Möglichkeiten, seinen Schülern im Gegensatz zur sozialistischen Erziehung auch humanistische und demokratische Werte zu vermitteln.

Herr Tischer kandidierte zu den ersten freien Bürgermeisterwahlen und für das Neue Forum Nordhausen.

Nach der Besiegelung der Städtepartnerschaft Nordhausen-Bochum im Jahr 1990 wurde kurz darauf der Städtepartnerschaftsverein Nordhausen-Bochum gegründet, zu deren Gründungsmitgliedern das Ehepaar Tischer gehört. Das Ziel des Vereins, der in diesem Jahr sein 25.Gründungsjubiläum beging, war und ist es, das Näherkommen von Menschen aus den ehemals zwei Teilen Deutschlands voran zu bringen und Vorurteile abzubauen.

Herr Tischer ist seit 12 Jahren Vorsitzender des Vereins, der gemeinsam mit dem Bochumer Städtepartnerschaftsverein kulturelle, sportliche und soziale Vorhaben erfolgreich umsetzt.

Mit den Worten „Wir können sagen, wir waren dabei und es war friedlich!“ fassten beide ihre Gefühle zurück blickend zusammen.

Dr. Friedrich Kray

„Wer unterschreibt als erster? Der Aufruf, das Neue Forum in Nordhausen zu gründen, war ein Aufruf zu einer illegalen staatsfeindlichen Handlung“. Mit diesen Worten aus dem Buch „Die Wende in Nordhausen“ von Kristin Müller und Thomas Müller beginnt der Mediziner Dr. Friedrich Kray über die Gründung des Neuen Forum in Nordhausen zu berichten.

Er arbeitete als Stations-und Oberarzt und ab 1993 als einer der Chefärzte im damaligen Krankenhaus Maxim Zetkin Nordhausen.

In einer kleinen Gruppe von 14 mutigen Menschen agierte Dr. Kray für die Mobilisierung der vielen Unzufriedenen nach Leipziger und Berliner Vorbild.
Friedrich Kray arbeitete aktiv an der Gründung des Neuen Forum am 22. Oktober 1989 in der Frauenbergkirche, die Einrichtung eines Initiativausschusses und später die Parteiwerdung mit. Sein Vorbild dieser Zeit war Propst Hans–Joachim Jäger, der Mut machte, sich nicht weiter in den Kirchen zu verstecken, sondern friedlich hinaus zu gehen.

An dem Tag des Herbstes 1989 , als 11 Ärzte des Nordhäuser Krankenhauses in den Westen gingen, hielt er auf dem August-Bebel-Platz einmalig eine Rede und forderte die Menschen auf, ihre Stadt nicht im Stich zu lassen.

Dr. Friedrich Kray, oder „Fritz“, wie ihn seine Freunde nennen, kandidierte 1990 für die inzwischen gegründete Deutsche Forum Partei und wurde Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und des Kreistages.

Nach den folgenden vier Jahren zog er sich aus der Politik zurück und widmete sich erneut seiner medizinischen Arbeit und seinen Patienten.

Parallel zu seiner beruflichen Arbeit wirkte politisch und sozial seit 1993 im Lions Club Nordhausen, im Park Hohenrode sowie aktuell bei der Integrierung der in Nordhausen angekommenen Flüchtlinge.

Martin Schulze

Herr Martin Schulze ist von Beruf Verkehrsingenieur.
Er war von Anfang an aktiv an den Vorbereitungen zur Gründung der Sozialdemokratischen Partei in Nordhausen beteiligt und ist Gründungsmitglied dieser Partei und einer der ersten mutigen Sprecher auf dem August-Bebel-Platz.

Die erste prägende Erinnerung als Kind war die Kollektivierung des Hofes seines Großvaters, den er über alles schätzte. Er fühlte sich innerlich gespalten zwischen dem, was von ihm verlangt wurde und dem, was er leben wollte. In der Schule wurde ein Loblied auf den Sozialismus gesungen und am Abend wurde in der jungen Gemeinde frei diskutiert. Letzteres hat ihn, wie er sagt, geformt.

Nach dem Studium wurde er aufgrund einer unklugen politischen Formulierung nicht auf den zugesagten Arbeitsplatz des Reichsbahnamtes Nordhausen eingesetzt.

So fing er als Sachbearbeiter im Kaliwerk Sondershausen neu an. Und wurde später als Leiter der Werkanschlußbahn berufen und war damit einer der jüngsten der sogenannten Leitungskader des Betriebes.
Hier erkannte er die Widersprüchlichkeit des planwirtschaftlichen Systems. Die Freiräume und Nischen die viele in dem damaligen System sich erhielten wurden immer enger.

In der Zeit der Friedlichen Revolution stellte er sich nicht nur die Frage was wollen wir, sondern wie können wir es erreichen.

Einen Weg die DDR zu verändern, sah er nur in der Einführung eines parlamentarischen Systems. So engagierte er sich bewusst für die Neugründung einer Partei, der Sozialdemokratischen Partei, der SDP und späteren SPD in Nordhausen.

Martin Schulze war in der Gründungsphase Mitglied des Sprecherrates der SDP. Später vertrat er seine Partei viele Jahre im Landesparteirat Thüringen.

Der bekennende Fan des Hamburger Sozialdemokraten Helmut Schmidt, las alle seine Bücher und ist an Politik sowie Geschichte nach wie vor interessiert.

Von Links: Fam. Rüther und Landrat, Dr. F. Kray, W. und G. Hartmann, Jutta Wehmann, Holger Wengler und OB Von Links: m.Kühlewind, H.J. Tischler und Frau, K. Busch, M. Schulze, Dr. K. Gebhardt und OB