Die drei Perspektiven der wissenschaftlichen Studie
1. Perspektive: Hintergünde
Die Studie soll die Ziele, Abläufe und die Formen der Luftangriffe der RAF im Rahmen des Luftkrieges auf Nordhausen des 3. und 4. Aprils 1945 rekonstruieren, analysieren und darstellen.
2. Perspektive: Opfer
Die Studie soll auf Grundlage aller benutzbaren und personenbezogen auswertbaren Archivalien eine statistisch-geographische Analyse der Bergung, Registrierung und Bestattung der Luftkriegstoten in Nordhausen unter Berücksichtigung der KZ-Häftlinge des KZ Mittelbau-Dora vorlegen. Dabei soll ein zuverlässiger Forschungsstand zur Zahl der Luftkriegstoten erarbeitet werden. Die Ergebnisse sind unter besonderer Berücksichtigung der in jüngeren Forschungen zu mitteldeutschen Städten erbrachten zu bewerten.
3. Perspektive: Erinnerung
Formen, Ziele, Streitthemen und Meinungsführer des persönlichen wie politischen Gedenkens an die Luftangriffe nach 1945 sollen kritisch untersucht und dargestellt werden. Dabei sollen sowohl die staatlichen/städtischen Instanzen in SBZ und DDR, die Protagonisten der Heimatortsgemeinschaft der ehemaligen Nordhäuser, als auch Interessen der Weltkriegsalliierten im Zentrum stehen.
Wer wurde mit der Studie beauftragt?
Nach Sichtung und Bewertung der Ausschreibungsergebnisse wurde Jens Schley (M.A.) vom wissenschaftlichen Beirat einstimmig ausgewählt und hat in der Folge im August 2019 den Werkvertrag unterschrieben.
Es ist für mich eine große Herausforderung und auch Ehre, hier von einem unabhängigen wissenschaftlichen Standpunkt aus eine Diskussion begleiten zu dürfen, die die Erinnerungskultur Nordhausens über Jahrzehnte prägte und immer noch prägt. Mein Ziel ist es, dieser sehr vielschichtigen und auch kontroversen Diskussion bereits vorhandene und dann auch neue Forschungsergebnisse in Form einer kompakten und nachhaltigen Studie zum Kriegsende in Nordhausen 1945 produktiv gegenüberzustellen, so der Historiker.
Es geht um eine wissenschaftliche Rekonstruktion und Einordnung der Luftangriffe auf Nordhausen am 3. und 4. April 1945, um eine möglichst genaue Analyse der Zahlen zu den Luftkriegstoten und eine Einordnung des politischen und gesellschaftlichen Gedenkens an die Luftangriffe nach 1945 bis in die Gegenwart, ergänzt Schley. Für die Studie wird sich der Wissenschaftler der zugänglichen Archive und Quellen bedienen. Neben den behördlichen Überlieferungen ermöglichen natürlich auch die persönliche Zeitzeugenschaft das ganze Bild. Hierbei wird es aber auch sehr wichtig sein, die angesprochenen sehr unterschiedlichen Personengruppen zu berücksichtigen, die im April 1945 zum Zeitpunkt der Bombenangriffe gleichzeitig an einem Ort waren, so der Historiker abschließend.
Jens Schley ist geborener Weimarer und hat einschlägig zur Geschichte der NS-Zeit geforscht. Er hat inzwischen seine vorgeplanten Forschungen aufgenommen.