Kunsthaus Meyenburg

Aktuelle Sonderausstellungen

Maria Schmidt-Franken

Aus weiblicher Sicht - Nordhäuser Künstlerinnen

läuft vom 01.04.2021 - 24.05.2021
Mit Frauenpower will das Kunsthaus Meyenburg endlich ins neue Ausstellungsjahr starten. Unter dem Titel „Aus weibliche Sicht“ präsentiert die Ausstellung die 110 Werken der Nordhäuser Künstlerinnen Maria Becker-Diedelt, Margret Böning, Ilsetraut Glock, Eva Groh, Karin Kisker, Marlies Pape, Maria Schmidt-Franken, Ilse Spangenberg und Ute Zyrus-Gonska.

Künstlerinnen hatten und haben es in der männlich dominierten Kunstwelt nicht einfach. Sie mussten stets darum kämpfen, Kunst machen zu dürfen. Diese grundsätzliche Problematik und Entwicklung von Frauen in der Kunst lässt sich auch in den Biografien der Nordhäuser Künstlerinnen erkennen.
Bemerkenswert ist, dass es in Nordhausen bereits seit dem 19. Jh. Künstlerinnen gab, die über die Stadtgrenzen hinaus tätig waren und manchmal auch voneinander gelernt haben. Die Ausstellung zeigt Werke von 9 Nordhäuser Künstlerinnen, die zu verschiedenen Zeiten in Nordhausen tätig waren. Die Auswahl ist dabei nicht auf Vollständigkeit angelegt, sondern auf der Präsenz der Werke in der städtischen Kunstsammlung. Es gab und gibt noch weitere Künstlerinnen – wie Renate Niethammer oder Roberta Bergmann – die ihre künstlerischen Wurzeln in Nordhausen haben.
Die Ausstellung zeigt 9 Künstlerinnen und 9 Räumen mit 9 verschiedenen künstlerischen Handschriften. Trotzdem gibt es einige Parallelen zu erkennen, wie die Reihe der Baummotive zeigt. Dabei waren und sind vermutlich die regionale Nähe zum Harz und die Schönheiten der Südharzer Landschaft sowie die Geschichte der über 1000-jährigen Stadt Nordhausen durchaus eine Quelle der Inspiration für die Nordhäuser Künstlerinnen sowohl zu Beginn des 20. Jh. als auch heute.


Hier werden die einzelnen Künstlerinnen vorgestellt:

Ute Zyrus-Gonska

Ute Zyrus wurde 1964 in Nordhausen geboren. Nach Schulbesuch und Abitur in Nordhausen begann sie 1983 ein Studium an der Pädagogischen Hochschule Erfurt. Während des Studiums konzentrierte sie sich schon auf eigene künstlerische Arbeiten. Als Diplomlehrerin für Mathematik und Kunsterziehung schloss sie 1988 ihr Studium ab. Seitdem unterrichtet sie als Lehrerin an der Regelschule in Niedersachswerfen neben ihrer Tätigkeit als Malerin und Grafikerin. Seit 1997 ist Ute Zyrus Mitglied der Künstlervereinigung „Kunstwestthüringer“ und seit 2004 Mitglied im Verband Bildender Künstler Thüringen.
Künstlerisch ist Ute Zyrus an der Auslotung von grafischen Techniken interessiert. Ihre farbigen Aquatinta-Radierungen entstehen häufig durch die Verwendung und das Überlagern von mehreren Druckplatten, manchmal bis zu 8 Platten pro Grafik. Durch die Kombination verschiedenartiger Strukturen erzeugt sie einzigartige Bildmotive. Baum- oder Blattteile oder die Reduktion auf deren Struktur bilden die Grundmotive ihrer Werke, d.h. Strukturen und Details sind wichtiger als der natürliche Gegenstand an sich. Ihre Werke zeigen sowohl Florales als auch Abstraktes oder die Verschmelzung von beidem. Die Künstlerin ist von Formen und Oberflächen fasziniert und versucht in ihren Arbeiten die kleinsten sichtbaren Elemente von Objekten, deren Strukturen und Wandlungen und deren gedankliche Verbindungen sicht-bar zu machen. Bei den Arbeiten „Verschüttete Träume“ und „Strandgut“ setzt die Künstlerin auf gezielt freigelassene Flächen, deren unregelmäßige Umrandung die Wirkung des gedruckten Teils des Blattes noch intensiviert.
Ute Zyrus schreibt selbst über ihre Arbeit:
<i>„Ich habe metamorphe Gedanken: Der Traum vom ewigen Leben ist ein alter Menschheitstraum. Dieses „ewig“ in Stein oder Pflanzenstrukturen ist so vergänglich und wandelbar wie wir selbst. Die Frage ist: Was bleibt…? Elemente und Formen, die sich zu neuem Leben wandeln, erhalten durch Zueinanderfinden einen anderen Sinn – ein anderes Sein, und wenn es nur in einer Traumwelt ist. Lasst uns träumen…“</i>


Marlies Müller

Am 25. Oktober 1930 wurde Marlies Pape in Nordhausen geboren. Sie war eine Nachfahrin von Robert Carl Pape aus Quedlinburg, der 1870 die Malz-fabrik R. Pape KG mit Stammsitz im Altendorf 28, gegründet hatte. Ihre Eltern Rudolf und Ilse Pape lebten mit den 3 Töchtern im Gebäude Altendorf 28 in Nordhausen. Von 1936 – 1946 besuchte Marlies Pape die Schule in Nordhausen. Bis 1949 nahm sie in der privaten Malschule von Renate Niethammer Mal- und Zeichenunterricht, zusammen mit Ilse Spangenberg und Helmut Müller, ihrem späteren Ehemann. Gleichzeitig besuchte sie noch den Zeichenkurs von Martin Domke an der Volkshochschule. 1948 erhielt Marlies Pape den ersten Preis beim Laienkunstwettbewerb des Kulturbundes Thüringen, der mit der Zusage für ein Stipendium verbunden war.
Gemeinsam mit Helmut Müller ging sie 1949 – 1951 zum Studium an die Staatliche Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst nach Weimar, wo sie u.a. bei Prof. Martin Domke studierte, der ebenfalls an die Hochschule nach Weimar gewechselt war. Da Marlies Pape nicht in die FDJ eintreten wollte, wurde ihr 1950 das Stipendium gekürzt. Am 15. Juli 1951 wurde die Abteilung Kunst an der Hochschule in Weimar geschlossen. Da Marlies Pape zweimal die Prüfung in Gesellschaftswissenschaften nicht bestanden hatte, wurde ihr in der DDR das weitere Studium nicht gestattet. Aus diesem Grund wechselte sie gemeinsam mit Helmut Müller nach Westberlin und nahm dort das Studium an der Hochschule für bildende Künste in Berlin-Charlottenburg auf.
1954 heiratete sie Helmut Müller, der später unter dem Namen Philip Oeser ein bekannter Künstler wurde. Während ihr frühes Œuvre vor allem figürliches, sowohl Porträt- und Aktdarstellungen als auch religiöse Motive sowie Tierdarstellungen zeigt, wendete sich die Künstlerin in den 1950er Jahren verstärkt der Textilkunst zu, vor allem dem Textilentwurf und der Weberei. Am 10. Juli 1959 starb Marlies Müller, geb. Pape in West-Berlin bei der Geburt des Sohnes.


Ilse Spangenberg

Ilse Spangenberg wurde am 18. September 1924 in Nordhausen-Salza geboren. 1948 besuchte sie die private Mal- und Zeichenschule bei Prof. Martin Domke, die im sogenannten Judenturm in Nordhausen ihr Domizil hatte. Gleichzeitig nahm sie auch Malunterricht bei der Künstlerin Renate Niethammer. Von 1949 – 1951 studierte Ilse Spangenberg an der Hochschule für Architektur und Bildende Kunst in Weimar bei den Professoren Siegfried Tschiersky und Martin Domke. 1951 wechselte sie zum Studium an die Hochschule für Bildende Kunst in Dresden zu den Professoren Fritz Dähn, Hans Grundig und Heinz Lohmar. 1953 schloss sie ihr Studium mit Diplom ab. Im Anschluss an ihr Studium war sie bis 1955 als an der Hochschule in Dresden als Assistentin im Fachbereich Kunst tätig.
1956 kehrte sie in ihre Heimatstadt Nordhausen zurück und war dort als freischaffende Malerin tätig.
Ilse Spangenberg beteiligte sich an zahlreichen Bezirkskunstausstellungen der DDR, an Ausstellungen in Dresden, Berlin, Charleville-Mészierès (Frankreich), Vilnius (Litauen) und Hattorf (BRD) und hatte einige Personalausstellungen in Nordhausen. Am 11. Oktober 2020 ist Ilse Spangenberg in Nordhausen gestorben.
Das Œuvre von Ilse Spangenberg ist sehr vielseitig, es reicht von Bleistiftskizzen auf Papier, Pastellzeichnungen, filigranen Holzschnitten auf fast transparenten Seidenpapier bis zu farbkräftigen Mischtechniken. Ihre künstlerische Handschrift umfasst sowohl die realistische Darstellungsweise als auch verschiedene Grade der Abstrahierung. Ihre Hauptmotive waren die Darstellung von inneren Spannungen und Schwingungen sowie Stilleben und Porträts.


Maria Becker-Diedelt

Maria Becker wurde am 5. April 1891 in Nordhausen als Tochter des Brennerei-Besitzers Hermann Becker geboren. Die Familie lebte in der Neustadtstr. 21. Von 1909 – 1913 studierte sie an der Akademie in Kassel.
1913 begann ihre Tätigkeit im Nordhäuser Schuldienst als Kunsterzieherin und Turnlehrerin. 1924 wechselte sie an das Lyzeum, die städtische Oberschule für Mädchen. Am 1. April 1938 erhielt Maria Becker eine Ehrung durch die Stadt Nordhausen zum 25-jährigen Lehrer-Jubiläum. Bei den Luftangriffen im April 1945 wurde sie in ihrem Haus Neumarkt 19 völlig ausgebombt. Nach dem Krieg erhielt Maria Becker keine Erlaubnis wieder in den Schuldienst einzutreten. Deshalb arbeitete sie ab 1947 unentgeltlich auf dem Stadtgut Himmelgarten als landwirtschaftliche Hilfsarbeiterin.
Maria Becker nutzte diese Zeit intensiv, um zu malen. Es entstanden vor allem Zeichnungen und Aquarelle mit Ansichten von Nordhausen, die teilweise auf Skizzen aus der Zeit vor der Zerstörung beruhen und so ein Zeugnis der früheren Baukunst und der Historie von Nordhausen sind. Maria Becker fügte ihrem Familiennamen noch den Geburtsnamen ihrer Urgroßmutter Diedelt hinzu. Die langen Jahre des aufgezwungenen Berufsverbots nutze Maria Becker-Diedelt so gut es unter damaligen Verhältnissen möglich war, zu schöpferischer und künstlerischer Tätigkeit. Ihr größtes Problem in den Nachkriegsjahren war der Mangel an geeigneten Mal- und Zeichenutensilien. So verwendete sie für ihre Arbeiten, hauptsächlich Landschaften und Stadtansichten sowie Blumenstilleben, die Rückseiten von Formularen, Urkunden oder alten Briefen. Ihre Porträts einer alten Frau zeigen nicht nur ihr künstlerisches Ausdrucksvermögen, sondern auch ihr emotionales Gespür für menschliches Empfinden, das sie mit gekonntem Pinselstrich eindrucksvoll aufs Papier gebracht hat.
Von 1960 – 1968 war Maria Becker hauptberufliche Mitarbeiterin des Evangelischen Kirchenkreises Nordhausen. Maria Becker-Diedelt starb am 11. Juli 1980 in Bleicherode.


Ilsetraut Glock-Grabe

Ilsetraut Grabe wurde am 8. April 1915 in Nordhausen geboren. Bereits während der Schulzeit hatte sie Zeichenunterricht bei der Künstlerin Maria Schmidt-Franken in Nordhausen. Von 1935 - 1937 studierte sie Malerei und Grafik bei Prof. Wöhler in Hannover, anschließend bis 1938 an der Werkkunstschule in Hildesheim. Kurz nach der Aufnahme an die Kunsthochschule Berlin brach der II. Weltkrieg ihre Ausbildung ab. 1941 heirate Ilsetraut Grabe Ernst Ludwig Glock und zog nach Berlin. 1947 - 48 kam sie jedoch nach Nordhausen zurück und arbeitete als Bühnenbildnerin am Stadttheater Nordhausen. Dort lernte sie auch den Künstler Hann Trier kennen, mit dem sie eine innige Freundschaft verband und begegnete Rudolf Hagelstange. 1950 erfolgte der Umzug nach Bonn, wo sie über 60 Jahre freischaffend als Künstlerin tätig war. Nach der Wende suchte die Künstlerin wieder Kontakt in ihre Geburtsstadt und gründete 1998 die Ilsetraut Glock-Grabe Stiftung. Ilsetraut Glock war nicht nur freischaffende Künstlerin, sondern auch Kunstsammlerin und Mäzenin. 2002 wurde sie Ehrenbürgerin der Stadt Nordhausen und 2003 erhielt sie den Thüringer Verdienstorden. Am 31. Januar 2013 starb Ilsetraut Glock in Bonn.
Ilsetraut Glock zählt zu den bedeutendsten Rheinischen Künstlern. Ihr Œuvre ist sowohl in ihren Motiven als auch den verwendeten Techniken sehr vielfältig und lässt sich stilistisch nicht festlegen. Ilsetraut Glock war in ihrem langen Schaffen immer auf der Suche nach ihrem eigenen künstlerischen Weg. Die Künstlerin hat sich stets intensiv mit den realen und rationalen Gegebenheiten der Welt auseinandergesetzt und daraus Motive geschaffen, welche die Besonderheiten aber auch die Faszination am dargestellten Ganzen zeigen, beispiels-weise in ihren Landschaften. Die Arbeit in grafischen Zyklen und damit die intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema war für Ilsetraut Glock eine besondere Intension. In vielen Arbeiten beschäftigte sich die Künstlerin mit Geschichte und Vergangenheit, sowohl den eigenen Erlebnissen zweier Weltkriege, als auch der Angst vor erneutem Krieg sowie den Nachwirkungen von Krankheit und Lebenskrisen. Diese spielen besonders in ihrem expressiven malerischen Œuvre eine große Rolle, z.B. im Zyklus „Die Nibelungen“. Die Verbindung ihrer Bilderwelt zur Literatur zeigt sich sowohl in den poetischen Bildtiteln als auch in ihren Themen, die häufig von der Bühnenliteratur angeregt wurden.


Margret Böning

Margret Böning wurde am 29. März 1911 in Nordhausen als Tochter des Arztes und bekannten Sozialdemokraten Dr. Carl Schultes geboren. Im Elternhaus Vor dem Hagentor 2 verkehrten vor und nach dem Ersten Weltkrieg Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, Reichstagsabgeordnete sowie Künstler und Künstlerinnen aus dem Musik- und Theaterleben und prägten so die geistig aufgeschlossene Atmosphäre und das musische Klima.
Margret Böning wurde Bildhauerin und Malerin und wohnte mit ihrer Familie, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wieder im elterlichen Haus in Nordhausen. Vom 3. August 1943 bis zum 20. Juli 1944 lebte Käthe Kollwitz, die Margret schon als Kind bewundert hatte, als Gast der Künstlerin in Nordhausen. Während ihres Aufenthaltes in Nordhausen nahm Käthe Kollwitz großen Anteil an der Arbeit von Margret Böning als Bildhauerin, die zu ihrer letzten Schülerin wurde.
1970 schrieb Margret Böning:
„Frau Kollwitz wurde für mich Mutter Käthe und für meine Kinder die Oma, bald waren wir eine innige kleine Gemeinschaft.“
Schwere Schicksalsschläge trafen die Künstlerin nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihr Ehemann starb im Sommer 1945 in einem Lazarett in Norwegen. 1950 verlor sie den 17-jährigen Sohn. Später lebte sie lange Zeit in Würzburg-Keesburg. Am 16. August 1995 starb Margret Böning in Bad Brückenau.
Auf der 2. Nordhäuser Kunstausstellung von 1946 präsentierte sie ihre Kollwitz-Plastik, welches nach einem Porträt von 1944 entstanden ist. Von dieser Plastik wurden 10 Abgüsse hergestellt, die sich u.a. in Leipzig, Kassel, den USA, in Amsterdam und in Darmstadt befinden.
Das Käthe-Kollwitz-Gedächtnisrelief aus Bronze schuf sie eigens für das Elternhaus in Nordhausen. Zu ihren weiteren bildhauerischen Arbeiten gehören eine große Bach-Maske für Dr. Isemann, Krippenfiguren und eine Steinmaske der Mutter. Nach 1950 entstanden vor allem Pinsel- und Federzeichnungen und plastische Arbeiten wie „Trauernde Indianerin“ (1973) und „Liebespaar“ (1972).


Karin Kisker

Karin Kisker wurde am 24. September 1953 in Nordhausen geboren. Bereits seit ihrer Kindheit waren Bleistift und Kugelschreiber für sie enge Begleiter. Sie studierte 1974 - 1979 Kunst und Germanistik an der Universität in Greifswald. Nach dem Studium war sie als Kunsterzieherin in Nordhausen tätig; anfangs an der Polytechnischen Oberschule, später an der Berufsbildenden Schule. Das Studium in Greifswald bildete aber auch die Grundlage für ihr zeichnerisches Können. Neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin arbeitete Karin Kisker intensiv mit verschiedenen künstlerischen Techniken.
Ihr Gespür für Farbe und ihre Freude am Experiment sind die Voraussetzungen für ihre expressiven Arbeiten auf Leinwand oder Papier. Karin Kisker arbeitet aber nicht nur mit unterschiedlichsten Techniken, sondern auch mit verschiedensten und häufig sehr ungewöhnlichen Materialien, wie Holzschutzfarbe, Schuhcreme, Kugelschreiber oder Sand. Durch diesen Materialmix entstehen Bildwerke mit zerklüfteten Oberflächen und dreidimensionalen Strukturen. Die Künstlerin integriert in ihre Bilder auch häufig Schriftzeichen, wie die hebräischen Buchstaben in „In Memento Mori“, die jedoch meistens nur schwer zu entziffern und selten wirklich zu deuten sind. So verschwimmen in ihren Bildern die Grenzen zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, zwischen Vision und Realität miteinander. Das Phänomen der Zeit beschäftigt die Künstlerin seit 1997 besonders intensiv. Damals begann sie jedem Tag bis zur Jahrtausendwende ein Bild zu widmen. Insgesamt entstanden so 1001 Kunstwerke, die sogen. „Die Tagbilder“. Das Triptychon zum 50. Jahrestag der Bombardierung Nordhausens am 3. und 4. April 1945 zeigt sinnbildhaft die Zerstörung Nordhausens in expressiver Farbgebung von Schwarz und Rot.

„Jedes Bild wartet, dass die Zeit seiner Geburt reift“, schreibt Karin Kisker. Für sie ist es eine aufregende Erfahrung, körperlich real Existierendes aus der Vision zu gestalten und Formen zu sehen, die sich ständig ändern. Karin Kisker ist ein vielseitig künstlerisch ausgestatteter Mensch. Neben der Malerei sind auch Schreiben, Philosophieren und Rezitieren ihre Leidenschaften.


Eva Groh

Eva Groh wurde 1925 in Leipzig als Eva Maria Berger geboren. Sie studierte von 1942 bis 1950 an der Akademie für Graphische Künste in Leipzig bei Hals Soltmann, Max Schwimmer und Hans Theo Richter. Ab 1950 arbeitete sie als Grafikerin und Illustratorin für zahlreiche Verlage in der DDR. 1952 heiratete Eva Berger den Kunsterzieher Günter Groh und zog mit ihm nach Greifswald. 1956 wurde der Sohn Rainer geboren und das Ehepaar zog nach Nordhausen, wo Eva Groh bis zu ihrem Tod 2008 lebte und arbeitete.
Seit 1970 war die Künstlerin Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Kunstausstellungen des Bezirkes Erfurt sowie in Leipzig, Greifswald, Weimar, Schwerin und Nordhausen ausgestellt.
Sie gehört zu den bedeutendsten Buchillustratorinnen der DDR. Inspirationen für ihre Illustrationen holte sie sich gern im Museum für Völkerkunde oder im Naturkundemuseum in Leipzig oder auch im Leipziger Zoo. Ihr Sohn Rainer beschreibt die Arbeit der Mutter so: „Mein Vater und ich staunten als erste Betrachter ihrer Arbeiten, wenn sie am Schreibtisch diesen Speicher aufs Papier ‚entleerte‘. Da tauchten sie im Neubaublock am Petersberg 4 wieder auf: die Jurten, Sänften, Krummsäbel, Turbane und dazu die Kamele, Tiger und Affen.“
Viele Zeichnungen entstanden aber auch auf und nach den Wanderungen durch den Harz, die Eva Groh gemeinsam mit ihrem Ehemann Günter unternahm. Beide waren fasziniert von den Schönheiten und Annehmlichkeiten des Harzes.
Neben Illustrationen für Romane und Erzählungen, wie „Märchen aus tausend und einer Nacht“ 1948, Gottfried Keller „Eugenia“ 1949, Jack London „Der Teufel von Fuatino“, 1977, E.T.A. Hoffmann „Meister Floh“ 1980, war Eva Groh auch als Zeichnerin für medizinische Lehr- und Sachbücher tätig.
Für ihre Illustrationen verwendete sie unterschiedliche grafische Techniken, von der Radierung wie in „Der Totschläger“ (Emile Zola), Pinselzeichnungen wie für „Die Nase“ (Nikolai Gogol), Federzeichnungen für „Die Brautwahl“ (E.T.A. Hoffmann) bis zu Linolschnitten für „Die Geschichte in den Dünen“ (Hans Christian Anderson), je nachdem, welche sie für passend zur Gesamtgestaltung und zum Inhalt des Buches hielt.


Maria Schmidt-Franken

Maria Schmidt-Franken wurde am 25. September 1888 in Nürnberg geboren. Nach ihrem Umzug nach München studierte sie an der Landschaftsschule der Russin Stephanie von Stréchine (1858 – 1940), die ein Mitglied der Pariser Akademie der Künste war. Sie gehörte auch zu den sogenannten Malweibern.
Bei Professor Müller aus Mecklenburg, der für seine beeindruckenden Landschaften bekannt war, setzte sie ihre Studien fort. Bei ihren Reisen durch Oberbayern machte sie zahlreiche Landschaftsstudien, besonders die unwirklichen Dachauer und Tölzer Moorlandschaften beeindruckten die junge Künstlerin. 1911 unternahm sie eine Studien-Reise durch Mittelitalien. Bereits zu dieser Zeit wurde sie Mitglied in verschiedenen Künstlerverbänden. Später siedelte Maria Schmidt-Franken mit ihren Eltern von München nach Weimar über. Von dort aus ging sie 1916 nach Nordhausen. Seit 1926 wohnte die Künstlerin am Sachsenhof 7. Reisen waren weiterhin eine wichtige Quelle ihrer Studien und so unternahm sie 1917 eine Reise nach Hamburg, wo sie unter anderem Studien im Hamburger Hafen betrieb. Maria Schmidt-Franken reiste auch häufiger in die Lüneburger Heide und an die Nordsee. Ab 1920 hielt sie sich wiederholt in Dresden und Chemnitz auf, wo auch Ausstellungen ihrer Werke stattfanden. In Nordhausen, das fortan ihre Heimat wurde, war sie Mitglied des Nordhäuser Kunstvereins und veranstaltete jährlich Ausstellungen in ihrem Atelier sowie in Nordhäuser Buchhandlungen.
Ihr künstlerisches Œuvre zeigt ab 1930 und während des Krieges vorwiegend Stadt- und Landschaftsstudien aus Nordhausen und dem Südharzvorland sowie vom Harz selbst, auch wenn solche „Harzbilder“ in den 1930er Jahren eher kritisch gesehen wurden, wie eine Kritik ihrer Bilder im General Anzeiger vom 10.12.1932 zeigt: „…dass der Harz kein gerade dankbares Objekt für die Maler abgibt, er ist, trotz seiner Schönheit, nicht eben reich an großen Formen und Farben…“.
Maria Schmidt-Franken starb am 27. März 1967 in Ilfeld.
Die künstlerischen Spuren, die die Malerin und Grafikerin hinterließ, sind jedoch nicht nur in ihren zahlreichen beindruckenden Gemälden und Grafiken zu finden, in den sie vor allem die verschiedenen Landschaften mit ihren Strukturen, Farben und Stimmungen immer wieder aufs Neue entdeckte und darstellte, sondern auch in den Werken anderer Künstlerinnen, wie Ilsetraut Glock, denen sie eine Richtung vorgab, sie förderte und lenkte.


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