Ausgangslage Kiesseen
Lageplan Kiesseen (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen)
Die Kiesseenlandschaft bestehend aus sechs Seen im Südosten der Stadt Nordhausen ist eine in Folge des Kiesabbaus entstandene Bergbaufolgelandschaft und gilt als ein wesentlicher Bestand unserer gebauten Umwelt, den es zu renaturieren, rekultivieren und behutsam einer Umweltverträglichen Nutzung zurückzuführen gilt.
Die Rekultivierung und Renaturierung soll gemäß Planfeststellungbeschluss unmittelbar nach Abschluss der Gewinnungsarbeiten, bei einer abschnittsweisen Ausbeutung der Lagerstätte zeitnah zum Abbau, erfolgen. Ziel ist der Ausbau eines regionalen Biotopverbundes und die Schaffung erholungsgeeigneter Freiräume.
Mit der Herausarbeitung der geltenden Planungen im Bereich des Bergrechts, Planungsrechts, informeller Planungen und Akteursgesprächen wurden die aktuellen Rahmenbedingungen deutlich.
Erstellungsdatum: 18.11.2025
Rahmenbedingungen für das Entwicklungskonzept
2.1 Rahmenbetriebsplan Kiesabbau
Das Entwicklungskonzept Kiesgewässer ist ein gemäß Planfeststellungsbeschluss vom 04.11.1999 zum Rahmenbetriebsplan des Kiesabbaus, gemeinsam mit allen Betroffenen zu entwickelndes über die nächsten Jahrzehnte fortzuschreibendes und zu konkretisierendes Konzept. Aus diesem Grund wurde das Entwicklungskonzept Kiesgewässer 2006 aktualisiert und für die nächsten 10 bis 15 Jahre bis 2040 fortgeschrieben. Für die Folgenutzung ist Variante III des Rahmenbetriebsplans rechtlich festgelegt und stellt die Grundlage der konzeptionellen Planung dar.
2.2 Landesentwicklungsplan (LEP) Thüringen
Zudem stellen die Ziele, Grundsätze und Leitvorstellungen der Landesplanung, welche im Landesentwicklungsplan (LEP) Thüringen formuliert sind, wesentliche Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Landschaft dar, da die Kiesgewässerlandschaft das Potential besitzt als primärer Raum für Tourismus, Freizeit und Naherholung zu dienen. Die Stadt Nordhausen ist nach der zentralörtlichen Einstufung im LEP Thüringen ein Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums (Ziel 2.2.7 Z) und erhält damit u.a. eine Bildungs-, Gesundheits-, Kultur- und Freizeitfunktion mit überregionaler Bedeutung (Grundsatz 2.2.8 G). Gemäß den Leitvorstellungen des LEP im Abschnitt 4.4 Tourismus und Erholung sollen Tourismus und Erholung in den Teilräumen gestärkt werden, welche über die naturräumlichen und raumstrukturellen Voraussetzungen verfügen, um den Tourismus als Wirtschaftsfaktor nachhaltig zu entwickeln (Leitvorstellung 1). Bei der touristischen Entwicklung Thüringens steht dabei die Verknüpfung der drei Schwerpunkte Kultur und Städte, Natur und Aktiv sowie Wellness und Gesundheit im Vordergrund. (Leitvorstellung 3).
2.3 Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK)
Der Zielplan 2030 des ISEK nennt den Zorge-Grünzug mit Fuß- und Radwegen zur Vernetzung der Stadt mit dem Freizeit- und Wassersportgebiet der Kiesgewässer als wichtige Aufgabe.
Wesentliche Planungsziele Entwicklungskonzept
Maßnahmenplan des Entwicklungskonzepts (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen)
Das Entwicklungskonzept formuliert auf der Grundlage rechtlicher Rahmenbedingungen die strategische Ausrichtung für zukünftige Entwicklungen an den Kiesgewässern der Stadt Nordhausen und dient somit als Orientierungsrahmen für die Verwaltung, Politik und Dritte bei zukünftigen Planungen, der Koordination finanzieller Mittel und Bearbeitung konkreter Einzelmaßnahmen. Es dient als informelle planerische Grundlage. Ziel des Entwicklungskonzeptes ist die Koordination unterschiedlicher Nutzungsinteressen.
Wege und Radewegekonzept
Neben der geordneten Entwicklung der Nutzungen an den Kiesgewässern ist die Erreichbarkeit und Zuwegung der Seen ein Themenschwerpunkt. Ziel ist, den motorisierten Individualverkehr durch ein ausreichendes und räumlich sinnvoll verortetes Stellplatzangebot sowie Durchfahrtsverbote für PKW (Poller, Schranken, Gehwegbreiten usw.) von den Uferbereichen fernzuhalten. In diesem Zusammenhang wurde ein Wegekonzept für Fußgänger und Radfahrer entwickelt.
Angestrebt wird ein attraktiver Rundweg um den Möwensee für Fußgänger bzw. Radfahrer sowie die Aufwertung der Wegeverbindung entlang des Nordufers des Bielener Sees.
Im Regionalplan Nordthüringen wird auf den Kaiserweg verwiesen, welcher durch das Plangebiet führt und Harz, Seenplatte Goldene Aue und Kyffhäusergebirge miteinander verknüpft. Der naturnahe Gewässerausbau der Zorge durch das TLUBN bietet Synergieeffekte. Um diese zu nutzen, ist der Ausbau des Kaiser- und Lutherweges am Bielener See und Möwensee bis 2030 erforderlich. Im Zusammenhang mit dieser Maßnahme soll am Nordufer des Bielener Sees außerhalb von Flächen mit bergbaulicher Berechtigung ein Landschaftspark mit intensiv- und extensiv genutzten Freiflächen und touristischen Angeboten entstehen. Der Bielener See ermöglicht die intensive Freizeitnutzung.
Naturschutz
Die Beendigung der Bergaufsicht am Möwensee soll gemäß Abschlussbetriebsplan nach 2030 erfolgen. Er ist mit der Folgenutzung Naturschutz Teil des regionalen Biotopverbunds und bietet vorrangig heimischen Tier- und Pflanzenarten Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Auskiesung des Auesees schreitet in den nächsten 15 Jahren voran.
Beim Taucher- und Forellensee wird der Naturschutz künftig im Vordergrund stehen.
Die weitere städtebauliche Entwicklung am Sundhäuser See erfolgt in gesamtstädtischer Betrachtung im Rahmen der Überarbeitung des Flächennutzungsplanes der Stadt Nordhausen.
Beherbergungsangebote
Strandpunkt Goldene Aue und Campingplatz dienen dem Ausbau der Erholungs- und Tourismusinfrastruktur. Das Campen wird künftig nur auf dafür vorgesehenen Plätzen zulässig sein.
Für den über 4 ha großen Campingplatz am Bielener See muss von der Stadt noch ein Betreiber gefunden werden, welcher auch den Bebauungsplan entwickelt. Die geordnete Entwicklung und Unterhaltung weiterer kleinerer Campingplätze mit speziellen Angeboten am Sundhäuser See runden das touristische Angebot ab.
Das Projekt Strandpunkt soll sich mit Angeboten auch an die Nordhäuser wenden. In der Projektbeschreibung vom Februar 2025 wird folgendes geschrieben:
Die StrandWerk gGmbH, ein Gemeinschaftsprojekt von Nordhäuser Sozialunternehmen, plant den Strandpunkt Goldene Aue – einen barrierefreien Erholungs- und Freizeitort für Familien mit schwerkranken Kindern. Auf 7.000m² sollen Unterstützung, Betreuung und Entlastung geboten werden. Barrierefreie Unterkünfte ermöglichen Familien unbeschwerte Zeit miteinander. Qualifizierte Mitarbeiter bieten organisatorische Hilfe und koordinieren Freizeit- sowie Bildungsangebote wie Umweltbildung und handwerkliche Projekte.
Direkt am überregionalen Kaiserweg sind einfache Unterkünfte für Radfahrer und Wanderer denkbar.
Umweltverträgliche Freizeitaktivitäten
Das Entwicklungskonzept möchte werthaltige, robuste Freiraumstrukturen ermöglichen. Entstehen sollen Orte der Begegnung, Bewegung und Entspannung, die für alle offen und zugänglich sind. Die Qualifizierung der Freiräume bietet die Möglichkeit Natur zu erleben, heimische Flora und Fauna kennen zu lernen sowie Freizeit und Sportaktivitäten im und am Wasser nachzugehen.
Für die intensiv genutzte Fläche des Standbades ist eine neue Erschließung für Trink- und Abwasser notwendig.
Kiesseen Teilplan Möwensee (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen)
Für die Stadt Nordhausen ist es besonders wichtig, dass es Gastronomie am See gibt. Die Strandgaststätte sollte möglichst auch öffentlich betrieben werden.
Workshops zu verschiedenen Umweltthemen sowie Natur- und Umweltführungen für alle Altersgruppen können in Kooperation mit anderen Akteuren das Angebot bereichern.
Im Nordwesten des Sundhäuser Sees dominiert der Tauchsport. Eine städtebauliche und gestalterische Ordnung für das Zusammenspiel der Gewerbeflächen und dem Sondergebiet Erholen und Tauchsport wäre wünschenswert, um Aufenthaltsqualität zu erhöhen und den Tourismus sowie Naherholung zu stärken.