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125 Jahre städtische Bibliothek in Nordhausen

Dienstag, 05. Februar 2002, 09:13 Uhr
NORDHAUSEN (rh) Am 11. Februar feiert die Stadt Nordhausen den 125. Geburtstag ihrer Bibliothek. Reiner Hellberg mit einem Abriß der Geschichte des Hauses vom Beginn im Waisenhaus bis zur Gegenwart in der modern ausgestatteten Villa in der Wilhelm-Nebelung-Straße:

80.000 Medien im Bestand
In einer der schönsten, im neoklassizistischen Stil erbauten, Villen von Nordhausen hat die Stadtbibliothek „Rudolf Hagelstange“ ihr Domizil. Drei Etagen stehen für den Ausleihbereich von ca. 80000 Medien zur Verfügung. Der Keller beherbergt die Phonothek mit einem attraktiven Bestand an Kassetten, CDs, Videos, DVDs, einer Auswahl an Hörbüchern und einem CD-ROM-Arbeitsplatz. Im Parterrebereich ist die Belletristik für Erwachsene, die Kinder- und Jugendliteratur sowie die rechnergestützte Ausleihe zu finden. Die obere Etage ist der Fachliteratur, dem Präsenz- und dem Territorialbestand sowie den Internet-Arbeitsplätzen vorbehalten.

Über mangelnden Zuspruch kann sich die Einrichtung nicht beklagen. Fast 170.000 Entleihungen registrierte man im Jahr 2000. Die Anzahl der Besucher - seit 1996 werden die Besucher gezählt - stieg auf 90.000.

Waisenhaus als erstes Domizil - Beginn mit 245 Bänden
Die städtische Bibliothek in Nordhausen blickt im Februar 2002 auf eine 125jährige Tradition zurück. Getragen vom Wunsch, dass „die Einrichtung ihren erzieherischen Einfluss vorzugsweise in denjenigen Schichten der Bevölkerung zur Geltung bringen würde, die mit den geist- und gemütbildenden Schätzen der Literatur aufgrund ihrer finanziellen Lage fast gar nicht in Berührung kommen“, öffnete die Volksbücherei mit einem Bestand von 245 Bänden am 10. Februar 1877 im Waisenhaus der Stadt ihre Pforten.

Jacob-Plaut-Stiftung gibt Geld
1905 wurde vom Vorstand der Jacob-Plaut-Stiftung in Berlin für die Ausstattung der Volksbücherei ein größerer Betrag zur Verfügung gestellt - Jacob Plaut war Ehrenbürger der Stadt Nordhausen und in Berlin verstorben. 1906 wurde die Bücherei in das Museum am Friedrich-Wilhelm-Platz verlegt, wo sie am 18. Februar 1907 wieder eröffnete. Sie erhielt den Namen „Jacob-Plaut-Volksbücherei“, den sie bis 1933 behielt. Da Plaut ein Jude war, durfte die Bezeichnung nach der Machtübernahme durch die Nazis nicht mehr geführt werden. Im Jahre 1934 begann für die Volksbücherei eine zwei Jahrzehnte währende ambulante Existenz. Insgesamt neun Mal musste die Einrichtung in den folgenden 18 Jahren die Räumlichkeiten wechseln.

Beim Bombenangriff am 3. und 4. April 1945 ging der gesamte Bestand von 9000 Büchern verloren. Am 10. September 1945 begann der schwere Neubeginn. Durch einen Aufruf an die Bürger konnten etwa 750 Bände, die während des Luftangriffs von Benutzern ausgeliehen worden waren, ausfindig gemacht und zurückgeholt werden. Sie bildeten den Anfangsbestand der wiedereröffneten Bibliothek. Nach weiteren Ortswechseln erhielt die Volksbücherei am 26. September 1952 einen festen Platz im Alten Rathaus.

1950 entwickelte sich eine Kinder- und Jugendbibliothek, die ab 1954 ihr Domizil im Pionierhaus „Hermann Matern“ hatte und 1968 in die Flohburg in der Barfüßerstraße 6 wechselte. 1956 erfolgte die Umwandlung von der Volksbücherei in die Stadt- und Kreisbibliothek.

1974: Phonothek öffnet/1978: Umzug in Nebelung-Straße
Mitte der 70er Jahre ermöglichten regelmäßig bereitgestellte Sondermittel des Ministeriums die verstärkte Anschaffung von audiovisuellen Materialien. Die Phonothek wurde am 7. Oktober 1974 eröffnet. Für die ständig wachsenden Bestand wurden die Räumlichkeiten im Alten Rathaus zu eng. In der W.-Nebelung-Straße 10 erhielt die Bibliothek 1978 eine neue Heimstatt.

Ab 1990 begannen durch die Bereitstellung großzügiger Fördermittel umfangreiche Rekonstruktions- und Umbauarbeiten im und am Gebäude. Die Bibliothek musste deshalb vorübergehend ins ehemalige Stadthaus umziehen. Am 25. April 1992 eröffnete die Einrichtung in der W.-Nebelung-Straße als Stadtbibliothek „Rudolf Hagelstange“ wieder ihre Pforten. 1998 erfolgte der Umzug der Kinder- und Jugendbibliothek aus der Flohburg in die repräsentative Villa.

Im Februar 1999 erfolgte Angliederung der Nordhäuser Bibliothek an das EU-Projekt Istar, zusammen mit weiteren sechs in Thüringen sowie Nordirland und Griechenland. Im Rahmen dieses Projektes wurde den beteiligten Bibliotheken der Aufbau von Internet- und Multimedia-Arbeitsplätzen ermöglicht. Seit Anfang März 1999 stehen für die Benutzer drei Internet-Arbeitsplätze zur Verfügung.

Zum Jubiläum am 11. Februar: Lesungen und Festschrift
Das 125. Gründungsjubiläum der Einrichtung wird am 11. Februar mit Lesungen auf allen drei Etagen des Hauses begangen. Nach der Festansprache der Oberbürgermeisterin Barbara Rinke gibt es „Plaudereien über die Büchertheke“ mit Matthias Biskupek, Auszüge aus „Felix Graf von Luckner ­ Abenteurer und Pirat“ von Wolfgang Knape und „Erotische Fantasien“ mit Heinz-Joachim Petzold.

Des weiteren wird auf der Festveranstaltung die reichbebilderte Publikation „125 Jahre Volksbibliothek Nordhausen“ (ISBN 3-9807032-6-6) vorgestellt, in der die Entwicklung von der Volksbücherei bis zur anspruchsvollen Stadtbibliothek „Rudolf Hagelstange“ nachgezeichnet ist. Sie ist ab 12. Februar 2002 im Buchhandel und in der Stadtbibliothek erhältlich.

Rainer Hellberg
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