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17. Juni: „Menschen sind aufgestanden, haben Rückgrat gezeigt“

Dienstag, 17.Juni 2003, 10:55 Uhr
17. Juni: „Menschen sind aufgestanden, haben Rückgrat gezeigt“NORDHAUSEN (psv) An der Otto-Reckstat-Brücke gedachten heute Nordhäuser ? darunter Zeitgenossen von Otto Reckstat, Mitglieder des Nordhäuser Stadtrates, des Landratsamtes und der Gewerkschaften - der Geschehnisse des 17. Juni 1953.

Bürgermeister Klaus Wahlbuhl erinnerte an das Leben von Otto Reckstat, der für sein Aufbegehren als Streikführer in Nordhausen vor 50 Jahren ins Gefängnis gehen musste. „Das tragische daran ist, dass er als Sozialdemokrat schon zu Nazi-Zeiten in Haft gesessen hat“, sagte der Bürgermeister, bevor er Blumen an der Gedenktafel für Reckstat niederlegte.

Das Gedenken für Reckstat sei zugleich auch eine Erinnerungen „an alle Menschen, die am 17. Juni aufgestanden sind und damit Rückgrat gezeigt haben und auch hier in Nordhausen für eine bessere Zukunft auf die Straße gegangen sind. Sie waren damit zugleich Wegbreiter für den Umbruch im Herbst 1989“, so der Bürgermeister. Dank des 50. Jahrestages des Volksaufstandes sei es zu einer breiten Aufarbeitung des 17. Juni 1953 gekommen, „der als Feiertag für einen Großteil der Menschen im Westen einfach ein freier Tag war, während er im Osten verleugnet bzw. falsch dargestellt wurde.“

Reckstat war seit 1952 Gewerkschaftsgruppenorganisator im Nordhäuser VEB ABUS Maschinenbau gewesen und wurde von seinen Kollegen zum Streikführer während der Arbeitsniederlegung am 17./ 18. Juni gewählt. Er wurde am 17. Juli 1953 verhaftet und zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt und im Dezember 1956 entlassen. 1957 flüchtet er mit seiner Frau aus der DDR nach Westberlin.

Zum Bild: Bürgermeister Klaus Wahlbuhl (links) und Kurt Wolff ? ein Zeitgenosse und Freund Reckstats ? legten Blumen an der nach ihm benannten Brücke nieder.